2009 Juni: Bahamas - Bermudas
 

2009 Juni: Von den Bahamas nach den Bermudas

04. Juni

Seit 10 Tagen sind wir unterwegs von den Bahamas nach Bermudas.

Die ersten Tage gingen noch einigermassen flott voran, obwohl ich (Mary) mit Seekrankheit kämpfte.

Aber danach haben wir uns „verfahren“ und sind mitten in ein Hoch hineingeraten. Zuerst liess es sich noch ganz schön an: Wind von achtern und wir zogen mit dem Spinaker mit 7knts davon. Dies änderte sich dann aber zu wenig bis gar kein Wind. So für zwei Tage ist das ja fast paradisisch. So ganz alleine auf dem glatten Meer unter der Sonne zu tümpeln hat schon seinen Reiz! Zudem ergibt sich die Gelegenheit, Ady in den Masttop zu winschen: unsere elektronische Windanzeige funktioniert nicht. Also muss man immer in den Masttop schauen um die Windrichtung zu erfahren: ist nicht gerade nackenfreundlich. Zudem können wir „Liseli“, den Autopiloten, nur nach Kurs einsetzen. Das heisst, wenn sich die Windrichtung ändert kann der Kurs nicht mehr gehalten werden, Liseli mault und wir müssen an's Ruder (meist dann wenn ich am Teig kneten bin und Ady am Epoxy malen oder so). Mit funktionierender elektronischer Windanzeige könnten wir auch nach Wind segeln. Also Ady rauf zur Kontrolle. Das heisst Schweiss für beide: So auf 17 m Höhe wird die Luft schon dünn und auch mit Winsch ist das Hochziehen ein riesen Krampf. Vielleicht wäre es bei 20°C auch angenehmer. Ich weiss es nicht, wir hatten 30°C. Und der Defekt liegt nicht an der Windfahne, wahrscheinlich doch noch ein Schaden des Blitzeinschlages in ein Schiff ca 100m von uns entfernt vor ein paar Wochen im ORYC.

Auch das Baden im Meer ist unter diesen Umständen ein Abenteuer für sich! Uebrigens: wenn man ins Meer hüpft um sich vor zu waschen, dann rauskommt und sich mit Duschgel richtig einreibt, sich das Gel für kurze Zeit wieder im Meer ab wäscht, bleiben die Salzkristalle fast nicht mehr an der Haut hängen und perlen ab. So kann man sich waschen ohne wertvolles Süsswasser zu gebrauchen. Und die Dusche muss auch nicht gereinigt werden :-)

Aber irgendwann will man ja auch am Ziel ankommen. Ohne Wind kann ich die Fock jedoch noch so häufig von einer Seite auf die andere ziehen: ausser meiner Fitness ändert sich nichts.

Gestern morgen war das Meer fast gespenstisch spiegelglatt: keine Brise, nix. Da musste dann doch zum ersten mal auf diesem Trip der Motor ran.

Aber oh Wunder! So um 10 Uhr meldet sich eine schöne Brise und der Motor wird ausgeschaltet. Somit auch der Kühlschrank. Dieser hat jedoch seit Ady's Umbau eine fantastische Isolation und bleibt also noch lange kühl. Die Brise wollte aber nur kurz Hallo sagen, danach heisst es wieder Tümpeln. Langsam nervts!

Ady's Versuchen, Fische zu fangen ist dies auch nicht zuträglich: jedes mal wenn die Schnur aus rauscht besteht die Hoffnung nach einem leckeren Abendessen. Bisher hat sich jedoch immer nur Seegras, dass hier in goldenen Flocken auf der Oberfläche treibt, am Blei verfangen. Die Aussage, dass die Meere leer gefischt seien scheint sich zu bestätigen! Letzte Nacht bestand „the catch“ immerhin aus einem grossen Stück Plastik.

Habe ich aber nicht mitgekriegt, denn ich hatte von 23.00 – 04.00 Schlafschicht.

Und seit gestern Abend segeln wir! Und zwar richtig toll! Zuerst hart am Wind, nun kommt er von querab. Wir rauschen mit bis zu über 5knts über das leicht gekräuselte Meer. So macht segeln halt schon mehr Spass!

Um 04.55 (08.55 UTC) habe ich von Radio Boston den Wetterfax abgerufen. Nach unserem „Hocherlebnis“ wird dieser noch genauer studiert und überlegt, was wir tun können wenn sich die Lage nicht wie vorhergesagt entwickelt. Nochmals Danke! an meine ehemaligen Arbeitskollegen, die mir zum Abschied die Antenne zum SSB Empfänger geschenkt haben! Ohne den müssten wir auf diese wertvolle Information verzichten.

Um ca 06.00 habe ich den Sonnenaufgang hinter Wolken genossen.

Ady schläft nun bis ca 10Uhr.

Der obligate Rundblick alle 20-30min ergibt dass wir, soweit das Auge reicht, nach wie vor alleine sind. In den letzten 10 Tagen haben wir 2 Segelschiffe (von einem nur die Positionslichter nachts) und 2 Frachter tagsüber und 2 nachts gesehen.

Wir gleiten nach wie vor mit rund 3-4knts über die leicht gekräuselte Oberfläche. Da freuen sich auch die Windgeneratoren und füllen die Batterien wieder auf.

Unter diesen Umständen bereite ich mal eine kleine Zwischenmahlzeit (Griesköpfli) vor. Hunger haben wir nämlich fast ständig! Ich backe jeden 3. Tag ca 1kg Brötchen und muss immer aufpassen, dass diese dann auch 3 Tage reichen.

7. Juni

St. Georges, Bermudas.

Gestern sind wir angekommen!

Die letzten zwei Tage hatten wir konstante ca 5 Beaufort Wind aus Süden, so dass wir unter Segel gut voran kamen. So 5-7knts waren die Regel.

Ady hat zudem erfolgreich den Wassergenerator in Betrieb genommen: zusammen mit Windgenerator und Solarpanel erreichten wir über 10 amp/h! So konnten wir beide Batterien voll aufladen, während der Kühlschrank eingeschltet war und der Computer geladen wurde.

Am 05. Juni vor Mitternacht haben wir dann in den Wolken den Widerschein des westlichen Leuchtfeuers von Bermudas gesehen: die Zivilisation rückt näher!

Am frühen Morgen des 6. Juni konnten wir dann schon Kurs Richtung Hafen St. Georges anlegen. Dies tat zeitgleich auch die „Pride of Baltimore II“: ein wunderschöner Baltimoreklipper (www.pride2.com). Der Anblick war wirklich sehr beeindruckend, man fühlte sich um Jahrhunderte zurückversetzt!

Im Hafen hiess es erst mal Custom & Immigration zu erledigen. Leider ist deren Anleger mit Lastwagenreifen gepuffert. Da sich unsere Fender verschoben ist unsere Backbordseite nun mit schwarzen Kringeln versehen. Womit ein weiterer Reinigungsjob auf der Liste steht. Aber der Beamte war sehr nett und hat z.B. auf die eigentlich verlangte und von mir sorgfältig vorbereitete Lebensmittel-Vorratsliste verzichtet.

Noch am Immigration-Anleger dann die grosse Überraschung: Chris von der Ossary taucht auf! Die Ossary hatte die Bahamas bereits am 6. Mai verlassen mit dem Ziel, über Bermudas, Azoren nach Hause in die UK zu segeln. Wir dachten, die seien schon fast auf den Azoren. Sie hatten jedoch sehr viel Pech: ungefähr auf halbem Weg (400sm) Richtung Bermudas kamen sie in einen Sturm, in etwa da wo wir null Wind hatten. Es stellte sich heraus, dass bei der frisch gekauften Sadler 34 (ein ca 10 m langer Einrümpfer, unsere Marady hat knappe 12m Länge) die Luken undicht sind. So war innen alles nass, und das mit Salzwasser! Da zudem auch dass Bimini (Stoffdach) zerfetzt wurde und der Wind gegen sie stand, entschieden sie sich, zurück nach Nassau zu segeln um das Nötigste zu richten. Ein Crewmitglied hat bei dieser Gelegenheit auch abgemustert und ist nach Hause geflogen. Seither segeln Chris & Cathy die Osssary zu Zweit. Beim zweiten Anlauf, die Bermudas zu erreichen brach, ebenfalls auf halbem Weg, der Grossbaum, so dass sie nur unter Vorsegel ans Ziel gelangten. Dies ist etwas vom Schlimmsten was einem passieren kann. Ady konnte dann helfen, den reparierten Baum wieder zu fixieren.

In der Zwischenzeit sind noch mehr alte Clipper und andere Nachbauten eingetroffen. Seit 400 Jahren sind die Bermudas (die Bermudas weil es nicht nur eine Insel, sondern über 150 sind, wobei die grösseren durch Brücken verbunden sind) besiedelt und dies wird gefeiert. Eigentlich hätte schon dieses Wochenende eine Parade mit diesen beeindruckenden Zeitzeugen stattfinden sollen. Aufgrund des schlechten Wetters auf See sind jedoch noch immer nicht alle eingetroffen und der Event muss verschoben werden. So viel wir wissen ist auch Queen Elisabeth noch nicht hier: da die Bermudas eine britische Kolonie sind, darf sie natürlich nicht fehlen!

Heute morgen hat es etwas geregnet. Die Insel braucht jeden Tropfen dringend, denn das Wasser wird knapp. Der Regen ist die einzige Quelle des kostbaren Nass. Deshalb sind alle Dächer speziell versiegelt und das Regenwasser wird in Zisternen gesammelt. Wir konnten unseren Vorrat auch um mehr als 10 Literl ergänzen

Die Insel ist sehr sauber und alles ist reguliert. Die Autos, welche nur in bestimmten Farben zugelassen sind, müssen z.B. jedes Jahr vorgeführt werden und wenn es nur wenig Rost hat (was bei diesem Klima unvermeidlich ist) wird das Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen. Pro Haushalt ist nur ein Auto zugelassen, der Rest der Familie braust mit dem Roller über die Inseln. Natürlich gelten für Häuser ähnliche Vorschriften. Deshalb alles ist so sauber und adrett dass es schon fast ein wenig an Disneyland erinnert. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass die Leute sehr freundlich sind.

Da alles importiert und mit hoher Steuer belegt wird ist alles unwahrscheinlich teuer. Ein Pfund Tomaten kostet z.B. 6 Bermudas Dollar, für den der gleiche Kurs wie für US-Dollar gilt. Gut haben wir uns schon auf den Bahamas (die uns ja auch schon teuerr schienen) reichlich mit Essbarem eingedeckt. Die grünen Tomaten, die ich vor 2 Wochen gekauft habe, werden langsam reif und schmecken hervorragend!

Ja, und heute Abend hat Ady seine ersten Fische gefangen! Der Menueplan für morgen ist also geschrieben!

Unser nächstes Ziel heisst Azoren. Sobald die Wetterprognosen günstig sind, werden wir ablegen und die nächsten paar Wochen, hoffentlich unter günstigen Winden, auf dem Atlantik verbringen.

 
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