2009 Juni: Erste Atlantiküberquerung
 

2009 Juni: Erste Atlantiküberquerung West/Ost: Bermudas - Azoren

19. Juni

Nun sind wir eine Woche auf dem Atlantik, unterwegs Richtung Flores/Azoren. Am 12. Juni haben wir St. Georges / Bermudas verlassen, 1 Stunde nachdem die Ossory mit Chris und Cathy ausliefen. Sie steuern ebenfalls Flores an, um dann Kurs nach Hause auf die Ile of White zu nehmen. Im späteren Nachmittag hatten wir sie eingeholt und regelmässig Funkkontakt. Sie sind aber immer weiter südlich und hinter uns geblieben, so dass wir am nächsten Abend den letzten Funkkontakt hatten. Für uns stand der Wind günstig und wir kamen flott voran: Etmale (innert 24STD zurückgelegte Distanz) von 110 – 140 sm (200 – 260 km) jeden Tag. Und das meist bei Sonnenschein. Gestern hat uns dann eine Front überholt und es gab kräftigen Regen. So konnten wir auch unseren Wassertank (400l) nachfüllen. Nun scheint wieder die Sonne, aber der Wind aus NNO ist doch merklich kühler geworden. Dafür ist auch die Luftfeuchtigkeit von 86% auf 60% gefallen. Darüber sind wir froh, denn bei der hohen Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen ist der Kampf gegen Schimmel eine mühselige Angelegenheit. Immer wieder bilden sich an den Wänden schwarze Flecken welche mit Bleach (Javel) abgewaschen werden müssen.

Wir sind jetzt ziemlich genau in der Mitte zwischen Bermudas und Flores. Zur Feier des Tages erscheinen zwei Delfine, die ersten auf unserer Reise! Auch wenn wir früher schon viele als Begleiter hatten, ist der Anblick dieser wendigen Meeressäuger doch immer wieder faszinierend.

Die Tage gehen schnell vorbei mit lesen, Computer updaten, kleinere Reparaturen, lesen, kochen, essen und Rommé spielen (Ady liegt mit 2:1 in Führung). Und natürlich Wetterfax runterladen und studieren. Dieser sieht für unser Ziel die nächsten Tage nicht gerade toll aus: Wind aus NNO, da wo wir hin wollen. Mit unserer Marady können wir max 40° an den Wind gehen, so dass wir aufkreuzen müssen und sicher nicht mehr so schöne Etmale schreiben können. Zudem steht die Strömung gegen uns, so dass die nächsten Tage wohl recht holperig werden. Aber auch so geniessen wir das Leben auf hoher See! Die tägliche Flut von Informationen aus Zeitung, Radio, Fernseher usw fehlt uns überhaupt nicht! Wenn wir denn ein dringendes Bedürfnis hätten, könnten wir über SSB deutsches Radio empfangen. Zur Zeit geniessen wir die blaue Weite des Atlantiks ohne Börse, Kriege und was man sonst so meint, wissen zu müssen (für Ady: „ausser Federer's Siege“). Wir sind aber auch froh über die Erfindungen der Zeit: Liseli der Autopilot steuert zuverlässig, so dass wir selten am Ruder stehen. Und dank Navigationsprogramm und GPS ist die Kartenarbeit innert Kürze erledigt und wir wissen genau, wo wir sind. Die Leistung der alten Seefahrer, die all dies nicht kannten ist wirklich kaum vorstellbar! Mit Hilfsmitteln wie Kompass, Sextant und ungefähren Karten haben sie es immer wieder geschafft, den Atlantik zu überqueren und wieder nach Hause zurückzukehren um ihren Regenten die in ihrem Namen besetzen Ländereien und von da mitgebrachten Schätze zu präsentieren. Für uns ist die Atlantiküberquerung immer noch eine Herausforderung, aber verglichen mit dem, was diese mutigen Männer (Frauen waren eher selten mit von der Partie) gemacht haben ist es doch eher ein Sonntagsspaziergang. Zudem waren die Schiffe wohl alles andere als dicht, so dass das Schimmelproblem wohl noch viel schlimmer war als heutzutage. Feuchte Textilien aus Kunststoff sind sicher auch angenehmer zu tragen als wollene und lederne. Kannte man zu der Zeit in Europa überhaupt schon Baumwolle?

 
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