2010 Januar: Senegal: Dakar
 

2010 Januar: Senegal: Dakar

Am 2. Januar verliessen wir Europa, genauer gesagt, Las Palmas de Gran Canaria mit dem Ziel Senegal. Die 11 tägige Überfahrt verlief ruhig. Zuerst hatten wir wenig Wind. An der Küste der West-Sahara, welche zu Marokko gehört, gab es viele Schleppfischer. Diese hatten uns wohl nachts auf ihrem Radar, jedenfalls kam uns keiner zu nahe. Trotzdem hielten wir natürlich Wache und schauten alle 20 Minuten mal nach, was sich den draussen so tut. Da der Mond abnehmend war, erschien er erst spät Nachts und wir konnten einen vor Sternen glitzernden Himmel geniessen. Bei Mauretanien vergrösserten wir dann den Abstand zur Küste um sicher zu gehen, nicht von deren nicht gerade freundlichen Patrouillen, welche es gelegentlich geben soll, angehalten zu werden. Etwas Abwechslung brachte uns eine zugeflogene Taube. Diese landete offensichtlich erschöpft auf der MARADY. Wir gewährte ihr Kost (Maiskörner und Wasser) und Logis (eine grosse Kiste), aber am folgenden Morgen hatte sie genug von unserer Gesellschaft und flog von dannen.

Ja, und dann, in der Nacht zum 13. Januar konnten wir den Schein von Dakar ausmachen. Das schwache Glimmern in der Ferne ist aber keineswegs mit der grellen Nachtbeleuchtung einer europäischen Millionenstadt zu vergleichen! Am folgenden Nachmittag erreichten wir, nachdem wir die Insel Gorée umfahren haben, Dakar wo wir vor dem Cercle de voile de Dakar unseren Anker fallen liessen. Die Vergangenheit der Insel Gorée ist düster, den viele Sklaven, welche in Westafrika gefangen wurden, wurden von dieser Insel aus nach Amerika verschleppt.

Am folgenden Tag machten wir uns auf den Weg um den unumgänglichen Behördenkram zu erledigen. Also stiegen wir erst mal in einen Bus Richtung Zentrum. Die Mini-Busse sind bunt bemalt, so sieht man glücklicherweise den Rost nicht so. Über Fenster verfügt nur der Fahrer, die Passagiere haben die Aircon von draussen. Wer aussteigen will tut dies mit Klopfen an die Karosserie kund. Viele dieser Gefährte sind in Europa nicht mehr zugelassen, versehen ihren Dienst aber noch lange in ihrer neuen Heimat. Sicher dient auch Adys Mercedes Kastenwagen-WoMo in der Zwischenzeit als Transportmittel irgendwo in Afrika. Diese Fahrzeuge wären in der Schweiz für vielleicht 15 Personen zugelassen, in Dakar passen mindestens doppelt so viele rein. Sitzen können nur wenige, und alle kommen auch nicht ganz rein. Dafür kostet eine einfache Fahrt auch nur ca 10-25 Rappen. Und wer nun meint, dass es in so einem Gefährt, Körper an Körper bei 30°C unangenehm riecht, liegt völlig falsch! Es riecht eher nach Seife als nach Schweiss. Die Menschen legen sehr grossen Wert auf Sauberkeit, was in dieser staubigen Stadt nicht ganz einfach ist! Die wenigsten Strassen sind asphaltiert und so wird durch den Verkehr viel Sand aufgewirbelt. Denn trotz hoher Treibstoffkosten (ca. 1.70 CHF/l) ist der Strassenverkehr sehr dicht. Wer es sich vermag fährt ein SUV, damit lassen sich die Schlaglöcher, die teilweise an Fallgruben erinnern, besser meistern. Idealerweise mit Fahrer, denn der kann dann während der Wartezeiten. die Karosse polieren. Dies kann sich jedoch nur eine kleine Minderheit leisten. Dann gibt es noch die, die wenigstens ein Auto ihren Besitz nennen können. Deren Zustand würde wohl bei einem Beamten der Schweizer MFK oder deutschen TÜF einen Herzinfarkt auslösen. Die grosse Mehrheit benutzt jedoch wie wir die Minibusse. Und obwohl wir immer die einzigen Weissen waren, wurden wir in den Bussen nie sonderlich beachtet. In der Stadt zu Fuss war das dann schon anders! Jeden 2ten Meter wollte uns wahlweise ein Businessman oder Guide seine Dienste anbieten. Natürlich nur aus Freundschaft. Aber für den Zeitaufwand und für die leidende Familie wollten sie dann doch etwas Bargeld sehen. Wir verzichteten bis auf wenige Male auf diese Hilfe.

Zuerst mussten wir die Polizei aufsuchen, damit diese unsere Pässe ordnungsgemäss abstempeln kann. Der Beamte war recht freundlich. Für seine Dienste wollte er dann aber 5000CFA (ca 11CHF), natürlich ohne Quittung. Das heisst, das Geld wäre in seine Tasche gewandert. Er blieb aber auch freundlich, als wir seine Bitte ablehnten, mit dem Hinweis, dass wir noch keine CFA hatten. Danach ging es zum ca 2km entfernten Zoll. Als wir das erste mal erschienen war gerade Zeit für das Gebet. An einem Freitag läuft dann in diesem islamischen Land für ca 1 Stunde nicht allzuviel und es wird ruhiger. Als wir wieder erschienen sassen im Büro des zuständigen Beamten schon 3 Personen. Der Herr selber trug einen wunderschönen bunten Anzug anstelle einer Uniform. Auf einem Beistelltisch stand ein Computer, offensichtlich nicht in Gebrauch. Das Pult selber, ein weiterer Tisch und auch der Boden waren übersät mit vollen Papiermappen. In der freien Ecke des Pultes stand jedoch ein Laptop, darauf lief irgend eine Soap, welche die ganze Aufmerksamkeit des Beamten forderte. Zwischendurch versuchte es die Anträge der Anwesenden zu bearbeiten. Diese waren ihm teilweise behilflich, indem sie ihm die Stempel reichten und zeigten, wo er unterschreiben musste. Unsrer Begehren war da nicht so einfach: zuerst musste er in etlichen Mappen, dann auch noch in anderen Büros nach den notwendigen Formularen suchen. Obwohl in unseren Schweizer Dokumenten alle Angaben auch in Französisch sind, fand er die Informationen nicht und ich musste ihm zeigen, wo was steht. Als dann auch noch sein Handy klingelte war er endlos überfordert. Er stellte uns eine Fahrtenerlaubnis für 15 Tage aus, mit dem Hinweis, dass wir diese in 2 Wochen nochmals um 15 Tage verlängern können. Wir fragten, ob er uns denn nicht gleich 30 Tage geben könne da wir in einer Woche bereits nach Gambia weiter wollen und erst danach wieder nach Senegal einreisen möchten. Und zwar nicht in Dakar, sondern mehrere hundert Kilometer im Süden in der Casamance. Dafür hatte er aber kein Verständnis. Und als wir eine Begründung verlangten meinte er nur, wir seinen Gäste in Senegal und hätten die Entscheide zu akzeptieren und zudem hätte er nun genug gesprochen. Naja, immerhin wollte er keine zusätzliche Bezahlung seiner Dienste. Eine Verlängerung der Fahrtenerlaubnis kann man auch bei der Zolldirektion bekommen. Ich erhielt diese aus ebenfalls nicht erkärten Gründen jedoch nicht. Vielleicht lag es daran, dass gerade ein Fussballmatch des Afrika-Cup im Fernsehen im Büro der Beamten gezeigt wurde.

Diese nicht gerade positiven Erfahrungen wurden aber durch das pulsierende, bunte Leben in der Hauptstadt Senegals wieder wett gemacht. Auf dem Markt das Benötigte zu suchen ist ein Abenteuer für sich! Es gibt kaum normale Läden, aber tausende von einer Art Stände. Jeder hat irgendwas und jeder zeigt auch den Weg oder begleitet einem zu dem Stand, der das Gewünschte möglicherweise hat.

Der Yachtclub von Dakar verfügt über ein hübsches Gelände mit kleinem Campingplatz, Werkstätte, Segelmacher, Küche, Duschen und kleiner Bar. Kurz: sehr angenehm und alles sauber. Der Hafen dagegen ist das pure Gegenteil! Es gibt einige Yachten deren Mast geknickt ist und die über und über mit Vogelkot bedeckt sind. Zudem liegen zwei Wracks da von denen nur noch die Masten raus schauen.Warum diese nicht gehoben und der Stahl verwertet wird ist unbegreiflich.

Der Strand ist bei Ebbe ca 2m breit mit einem grünen Teppich belegt. Zuerst dachten wir, es seien Algen. Dies stimmt aber nur zum Teil. Gut die Hälfte sind Plastikfolien. In denen wird Trinkwasser, Glace oder auch einfach kleine Portionen Zucker, Salz oder andere Lebensmittel verkauft. Nach Gebrauch landen sie auf der Strasse und früher oder später im Meer, wo sie dann halt irgendwann an den Strand gespült werden. Gleich neben dem Yachthafen befindet sich der Fischerhafen. Die Fischer gehen mit ca 30m langen Holzbooten und Netzen auf Fang. Dieser wird dann auf dem Markt am Hafen verkauft. Was nicht veräussert werden kann wird am Abend in's Meer zurückgeworfen, mit dem selben Ende wie die Plastikfolien. Dementsprechend riecht es manchmal. Neben anderem Unrat lag auch mal ein Hundekadaver am Strand. Dies hält aber die Männer nicht ab, zwischendurch ein erfrischendes Bad im Meer zu nehmen. Für Frauen geziemt sich das nicht, einzig zwei Mädchen sahen wir mal. Dafür werden am Sonntag die Ziegen an's Meer gebracht und unter deren Protest im Meer gewaschen. Dies soll gut gegen Ungeziefer sein.

Der Grossteil der Bevölkerung bekennt sich zum Islam. Dieser wird moderat ausgelegt, so sieht man z.B. keine verschleierten Frauen. Abends hört man die Rufe der Muezzin über die Stadt hallen und wenn Betenszeit ist werden überall Gebetsteppiche ausgerollt, die Füsse und das Gesicht gewaschen und im grössten Trubel gebetet. Viele Leute sind sehr arm. Der Glaube schreibt vor, dass wenn jemand etwas hat, die Verwandten mindestens bis zu Cousins zu unterstützen wenn diese nichts zu Essen haben. So ist es für den einzelnen schwierig, es zu geringem Wohlstand zu bringen, aber die Masse derer, die Hunger leiden ist geringer. Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben haben auch nie gejammert, sondern sehen ihre Lage als von Allah gegeben an. Jedenfalls haben wir in der Kürze mehr zufriedene Menschen getroffen als zuhause.

Nach einer Woche verliessen wir die Hauptstadt Senegals bereits wieder um nach Gambia zu segeln, wo unsere Freunde von der Catorion bereits länger auf uns warteten.


 
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