2011 März - April: Les Saintes, Guadeloupe
 

2011 März - April: Les Saintes, Guadeloupe

Les Saintes

Am 30. März um 11.30 war es soweit: nachdem wir bei doch anständigem Wind die reparierte Fock wieder hochgezogen hatten, konnten wir die Fahrt Richtung Norden fortsetzen. Und die Aufholjagd mit Ulli, der mit seiner „Tofua“ eine Stunde vor uns gestartet war, konnte beginnen. In den Kanälen zwischen den Inseln kann es ganz schön ruppig zu und her gehen, aber glücklicherweise trafen die Prognosen mit gutem Wind von 4-5bft und geringem Wellengang von ca 1m zu. Das sind auch gute Bedingungen zum angeln. In einem Buch stand, dass die Fische ganz verrückt nach dem Köder seien wenn eine hübsche Frau darauf gespuckt habe. Das musste überprüft werden! Und tatsächlich: nach ca einer Stunde Köder baden rauschte die Leine aus und wir sahen einen mindestens 1,20m langen Prachtkerl am Haken aus dem Wasser springen. Ady kämpfte mit dem Brocken und Mary stellte schon den Speiseplan um. Leider konnte sich unser Abendessen vom Haken befreien. Gelernt haben wir folgendes: entweder ist Mary wirklich hübsch und der Fisch hatte einfach das Glück, los zukommen oder der Fisch hat festgestellt dass die Spucke doch nicht von einer sooo schönen Frau war und hat deshalb das Weite gesucht. Wir werden beim nächsten Versuch Doppelhaken und Doppelspucke einsetzen.

Zum Trost kam die Inselgruppe Les Saintes, welche zu Guadeloupe gehört, schnell näher. Aber was für ein Kontrast: 20km südlich die saftig grünen Höhen von Dominica, hier karge, nur mit Büschen bewachsene Hügel. Und in den Buchten traumhafte Sandstrände mit kristallklarem Wasser unter Palmen, umrahmt von wuchtigen Felsmauern. Der Archipel besteht aus drei grösseren, bewohnten und etlichen kleineren, unbewohnten Inseln. Wobei „grösser“ relativ zu sehen ist: Terre-de Haute bedeckt 6km2 und hat 1'900 Einwohner. Mit der Bezeichnung „Archi-Perle“ wird zu Recht geworben: alles ist nett und sauber, ruhig und natürlich französisch. Und letzteres mehr als andere Teile der französischen Überseegebiete. Denn auf den Les Saintes wurde nie Landwirtschaft betrieben und somit auch keine Sklaven „importiert“. Seit über einem Jahr ist dies für uns der erste Ort, an dem die Bevölkerung mehrheitlich weiss ist.

Obwohl die anderen Kolonialmächte nur mässig an einer Eroberung der „Steinhaufen“ interessiert waren, wurden aus strategischen Gründen einige Forts auf die Hügel gestellt. Als Fort Napoleon, das grösste, 1867 endlich fertig war, waren jedoch die Auseinandersetzungen mit den Briten beigelegt. Aber an Gefängnissen bestand zu der Zeit in der Grande Nation ein immenser Bedarf, also wurde das Gebäude umfunktioniert. Heute beherbergt es ein Museum und einen botanischen Garten.

Ulli hat die Wettfahrt diskussionslos gewonnen und der Anker der MARADY fiel neben der „Tofua“. Aber nicht für lange, denn unser CQR oder Pflugscharanker machte seinem Namen Ehre und pflügte durch den sandigen Grund. Also Anker auf, den 20kg CQR gegen den 20kg Danfort oder Klappanker ersetzen und auf der anderen Seite der Bucht das Eisen wieder schmeissen. Und juhui!, diesmal klappt es und der Anker reisst nicht aus wenn wir unter Maschine rückwärts fahren. Beim Überprüfen des Anker entdeckt Ady auch noch einen Mooringblock, gleich neben unserem Schiff, an dem nur die Boje fehlt. Also diese Leine auch noch auf die Klampe: doppelt genäht hält ja auch besser. Darüber, welches Ankergeschirr das Beste ist, gibt es wohl eh mindestens so viele Meinungen wie Segler.

So vergingen die Tage mit werkeln und lesen. Hie und da tauchte ein bekanntes Schiff in der lauschigen Bucht auf, so die „Nuwam2“ mit Heidi & Robert und die „Ypake“ mit der argentinischen Familie. Auch Oli von der „Tao“ war mit dem Rennrad an Land unterwegs.

Ulli wartete wieder mit einer kulinarische Überraschung auf: auf der „Tofua“ gibt es wirklich fast alles, so auch ein Fonduechaquelon. So kamen wir in den Genuss eines Fondues in der Karibik. Damit es nicht ganz fremdländisch wirkte hat sich Ady als Dresscode die Skimütze und den Fleece verschrieben.

Nach zwei Wochen konnten Mary und Ulli dann die aus der Schweiz und Deutschland geschickten Kreditkarten in Empfang nehmen. Dies war das Startsignal für die Weiterreise. Leider trennten sich nun die Wege der „Tofua“ und der MARADY: Ulli zog Richtung Süden, wir legten Kurs nach Antigua an. Wir hoffen auf ein Wiedersehen mit dem angenehmen Reisegefährten der sogar Schwiitzerdüütsch versteht.

 

Guadeloupe

Auf dem Weg nach Norden ankerten wir eine Nacht bei Bouillante. Da gibt es nämlich gleich zwei Supermärkte die günstig nahe am Ufer liegen. Und obwohl nachts die Konsumtempel nicht zu sehen waren, fiel unser Anker direkt vor der Einfahrt zum Fischerhafen, wo wir unser Dinghi parkten und den Inhalt zweier Einkaufswagen verluden. Ein Teil der Lebensmittel waren für Arne in Antigua bestimmt. Dort sind Lebensmittel im Allgemeinen sehr teuer. Nachdem alles seefest verstaut war ging die Fahrt weiter. Immer schön gen Norden, wie so oft hart am Wind, mit der Vulkaninsel Montserrat an steuerbord kamen wir zügig voran.

 
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