2012 Mai - Juni: Jardines de la Reina & Cienfuegos
 

2012 Mitte Mai – Anfangs Juli: Jardines de la Reina & Cienfuegos

Überfahrt nach Cienfuegos über die Jardines de la Reina

Ja, es war eine sehr interessante Zeit in Santiago de Cuba! Aber einmal muss man weiter und so verliessen wir am 21. Mai die Bucht Richtung Cienfuegos an der Westküste.
Die ersten zwei Tage waren grau mit sehr wenig Wind. So glitten wir langsam am Fusse der Bergkette der Sierra Madre entlang. Als wir uns dann Cabo Cruz, der südwestlichen Ecke Cubas näherten, fand der Wind wohl, er müsse noch etwas aufholen und innerhalb einer halben Stunde hatten wir 6Bft. Beim Einreffen der Fock löste sich eine Naht am Vorliek. Aber das Segel hielt sich gut bis wir „um's Eck“, in der Bahia Niquero, in der Nähe kleiner Inseln, welche nur Mangroven, Mücken und anderes Getier beherbergen, unseren Anker fallen liessen. Auch hier mussten wir noch einen Tag warten, bis der Wind soweit nachliess, dass wir die Fock zur Reparatur runter holen konnten. Danach wurde zwei Tage lang genäht (von Hand), mit Collano A1970 Nähte abgedichtet und Flicken aufgeklebt. Dabei konnten wir die Fischer beobachten, die in ihren Segelbooten, die nicht viel grösser als Optimisten sind, zum Fischfang raus kommen. Meist befinden sich ein älterer und ein jüngerer Fischer in einem Boot. Bei Gluthitze verbringen sie Tage und Nächte in ihren Nussschalen ohne Sonnenschutz. Bei einem haben wir einige Fischerhaken und frisches Wasser gegen ein Prachtexemplar von einem Grouper eingetauscht. Seine Filets ernährten uns 3 Tage.
Weder Küstenwache noch andere Behörden beehrten uns mit einem Besuch. Dafür waren wir zu weit weg vom Ort, denn die Beamten verfügen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit höchstens über ein Ruderboot.

Nach 4 Tagen vor Niquero setzten wir unseren Weg gen Norden fort. Der Archipel nennt sich Jardines de la Reina (Gärten der Königin) und ist ein riesiges, flaches Korallenriff. Man muss sich den Weg gut aussuchen, damit man nirgendwo aufläuft. Und einmal gab es auch starkes Herzklopfen als die Wassertiefe immer weniger wurde, dafür die fantastisch schönen Gorgonenhäupter und andere Korallen immer näher nickten.... Nun, es hat gereicht und am Abend liessen wir den Anker einfach an geeigneter Tiefe fallen. Natürlich auf Sand! Weit und breit war aber nur Wasser zu sehen! Am nächsten Tag kamen wir dann in den Bereich, wo sich wieder kleine Mangroveninseln erheben. Die Navigation bleibt auch hier anspruchsvoll, aber das Bild ist abwechslungsreicher. Die Insel, in deren Nähe wir am 29. Mai unsern Anker fallen liessen, entpuppte sich als Paradies! Auf dem sandigen Grund sahen wir im klaren Wasser tausende von Seesternen. Drei lagen sogar unter unserer Ankerkette. Als wir die Kette anhoben und leicht verschoben, suchten sie so schnell wie Seesterne halt können, das Weite: anscheinend blieben sie unverletzt. Beim Schnorcheln entdeckten wir noch mehr Lebewesen: riesige Sandrochen, einer war von Kopf bis Schwanzspitze fast 2m! Es war fantastisch, diese Unterwasserwelt zu beobachten. Um auch den Inseln einen Besuch abzustatten verlängerten wir den Aufenthalt um einen Tag. Ausser interessantes Schwemmgut gibt es neben den Mangroven nicht allzu viel. Was uns jedoch sauer aufstiess war der Kadaver eines vor kurzem getöteten Rochen. Die Fischer, welche die Nacht auf der Insel verbracht haben, haben ihn einfach mit einer Machete aufgeschlitzt und den Schwanz abgeschnitten. Vermutlich werden Fischer, wenn sie nach Conch tauchen, manchmal angegriffen und möglicherweise durch einen Stich mit dem Schwanz getötet. Trotzdem bringt es kaum was, eines dieser fantastischen Tiere zu erschlagen.
Aber so wie es keine Rosen ohne Dornen gibt, hatte auch dieses Paradies einen Haken: sobald die Sonne unterging attackierten uns die Moskitos gnadenlos! Nicht einmal duschen liessen sie einen in Ruhe! So hiess es dann halt am Abend rein sitzen und da wo kein Mückennetz ist: Lucken dicht!

Nun mussten wir uns aber langsam sputen, um nach Cinfuegos zu kommen, denn unser Visa lief am 4. Juni aus. Noch einmal liessen wir den Anker ausserhalb der Jardines de la Reina fallen, da Nachts eh nicht mit Wind zu rechnen war. Früh am nächsten Morgen hieß es Anker auf und Angel raus. Und es dauerte keine 5 Minuten, bis ein grosser Barracuda an der Leine zappelte! Super: die nächsten 4 Tage gibt es Fisch mit Salat! Auch an der Segelstellung änderten wir die nächsten 2 Tage nichts: unter Spee zogen wir mit 2-3kts unserem Ziel entgegen.

Cienfuegos

Schon von ferne sahen wir das inoffizielle Wahrzeichen Cienfuegos: die Kuppel eines nie fertig gestellten Atomkraftwerkes. Dieser aufgegebene Bau ist ist ein typisches Dokument der jüngeren Vergangenheit Kubas: die Russen finanzierten den Bau vor 30 Jahren bis die Sowjetunion zerfiel. Ohne die finanzielle Unterstützung des grossen Bruders war Kuba nicht in der Lage, das Werk zu vollenden. Heute wird Kuba vor allem von Venezuela unterstützt. Als Gegenleistung werden gut ausgebildete Lehrer und Ärzte ins Reich von Hugo Chavez geschickt. Dummerweise fehlen die dann im eigenen Land, so dass heute in der Grundschule „Lehrer“ unterrichten, die selber erst die Schule beendet haben. So läuft Kuba Gefahr, die gute Bildung, wohl die wertvollste Ressource, die sie noch haben, auf lange Sicht zu verlieren.
Am Ufer der langgezogenen Einfahrt in die Bahia de Cinfuegos zeigte sich das bereits bekannte Bild am Wochenende: Männer, die mit einer Schnur und einem Hacken angeln. Einer benutzte aufgeblasene Kondome als Schwimmer. Die kleinen Fische, die sie so vom Ufer aus fangen, bereichern immerhin das Sonntagsmahl. Denn Fisch ist teuer. Dafür gibt es keine Hightech Fangflotte, die die Gewässer gnadenlos leer fischt. Das grösste Fischerboot, dass wir sahen, war max. 20 m lang. In der Bahia entdeckten wir eine neue Variante der selbst gefertigten Freizeit-Fischerboote. Waren dies in Santiago noch aufgeblasene Reifen, sind es hier eher Schuhkartons. Um Styroporblöcke wird ein Holzrahmen gezimmert, das Restholz liefert die Ruder. Falls verfügbar kommt noch ein Segel und/oder Sonnendach dazu und das Boot, dass ca 1.5 x 0,5m misst, ist klar für den Stapellauf.

Natürlich versuchten wir die Marina über Funk zu kontaktieren. Da niemand antwortete, nahmen wir an, dass das Funkgerät eine schlechte Leistung hat oder die Angestellten der Marina Siesta halten (was kaum der Fall ist, denn Kubaner sind sehr pflichtbewusst). Auf die Idee, dass ein internationaler Anlaufhafen für Yachten nicht Kanal 16 sondern nur 19A abhört, sind wir nicht gekommen.
Naja, die Beamten sind da und winken uns an den Steg. Noch bevor wir fertig klariert haben, gibt es ein grosses Hallo: Corinna und Gerwald kommen in die Marina spaziert! Die beiden haben wir in Trinidad kennengelernt. Die Formalitäten sind schnell erledigt und wir stellen auch gleich unseren Roller an Land bevor wir vor Anker gehen.
Die nächsten Tage sind bestimmt von Terminen um das Visa und den Fahrzeugausweis für den Roller zu verlängern. Ersteres kostet 25CUC/Nase: ok, das war bekannt. Aber als wir (entgegen der Informationen in Santiago) für den Roller auch nochmals 20CUC bezahlen sollten, entscheiden wir uns dagegen. Das Auslösen kostet schliesslich auch noch 5CUC. Aber dank günstiger Umstände konnten wir doch noch 5 Tage damit fahren.
Das war insbesondere für den Besuch der Wäscherei sehr praktisch, denn seit Guadeloupe hat sich doch einiges angesammelt. Und bei Kosten von nicht mal 1CHF für 14kg Waschen und Trocknen muss man das einfach ausnutzen, zumal die Waschmaschinen Frontlader sind und sogar heiss waschen. Auch in der Lavanderia wird die Warteschlange nach dem „quién el ultimo“ gebildet. Schnell waren wir im Gespräch mit Felix (wird Feliz = glücklich ausgesprochen) der sehr gut Englisch spricht und seiner Frau Sixta (sprich Sita). Aus den ursprünglich angenommenen 2 Stunden wurden 5 Stunden bis wir endlich an der Reihe waren. Aber was die beiden uns aus dem täglichen Leben in Kuba erzählten ist unbezahlbar! Ady fuhr zwischendurch mal nach Hause und brachte ein spanisches Kinderbuch, welches Mary zum Lernen geschenkt gekriegt hatte, mit. Es ist zwar eher für etwas jüngere Kinder, aber wir hoffen, Gabriel, der 12jährige Sohn von Felix und Sixta, hat Freude an der Geschichte (auch wenn sie sicher kein kubanischer Verlag drucken würde). Obwohl uns das nicht recht war, wollten sich die beiden unbedingt revanchieren. So durfte Ady mit ihnen nach Hause und ein spanisches (Schul-) Buch für Mary abholen. Ihr Zuhause ist ein Zimmer in einem ehemaligen Hotel. Sie haben Platz für ein Doppelbett, einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen, einen Kleiderschrank und ein kleines Möbel mit einem kleinen TV und einen DVD Recorder, denn sie vom Neffen von Felix, der in den USA lebt, geschenkt gekriegt haben. Das Klappbett für Gabriel wird nachts im verbleibenden Durchgang aufgestellt. Toilette und Dusche haben Hotelgrösse und sind durch einen Vorhang abgetrennt. Die Kochecke bietet Platz für einen Gasbrenner, das wenige Geschirr braucht kaum Platz. Was man an Nahrungsmittel hat, findet in 3 Plastikeimern à 5l Platz. Diese Unterkunft belastet das Budget mit 20CUC im Monat!!! Wir besuchten sie am nächsten Tag, um unter anderem einen Klappstuhl, denn wir seit den Kanaren nie mehr benutzt haben, abzugeben. Dieser entlastet nun Sixta bei der Arbeit. Den beiden ist ihre Armut sehr peinlich, ebenso dass sie auf Unterstützung Verwandter in den USA angewiesen sind. Aber mit einem Gehalt von 12 CUC, die Felix als Kellner verdient und 10Peso MN die Sixta für ein verkauftes Paar Schuhe erhält, kommen sie einfach nicht über die Runden.

Der Marktbesuch ist natürlich wieder ein Erlebnis! Jedoch nicht wegen unbekannter Sorten, sondern weil man nie weiss, was es gibt. Hat es Kohl oder Karotten? Gibt es Ananas? Wurzelgemüse wie Kasawa oder Süsskartoffeln gibt es eigentlich immer. Was uns aber ausserordentlich gefreut hat, ist dass alles, was angeboten wird, aus Kuba kommt. Verständlich dass die Kubaner das nicht ganz so sehen. Aber seit Jahren konnten wir das erste Mal Zwiebeln kaufen, die nicht aus Holland und Knoblauch der nicht aus China kommt! Die Landwirtschaft liefert auch nicht Früchte und Gemüse im Überfluss. Die Bewirtschaftung durch staatliche Kommunen hat sich nicht bewährt. Nun können Private Land für eine Dauer von mind. 25 Jahre pachten und die Lage verbessert sich langsam.

Was natürlich auch in Kuba gefertigt wird sind Zigarren. In den Shops, in denen vor allem Touristen ihren Bedarf an Rauchwaren decken werden diese für rund 5CUC/Stück verkauft. In der Tienda erhält man 1Stück für 1Peso MN. Gerwald und Ady schmauchten jeweils eine der Billigsorte zu den Spielen des Europacups, welche wir in der Bar der Marina verfolgten.

Als Stadt ist Cienfuegos attraktiver als Santiago de Cuba. Dank Geldern aus dem Unesco World Heritage Fonds, sind die Häuser zumindest von aussen in einem akzeptablen Zustand. Die Straßen sind alle rechtwinklig und ziemlich breit. Da das von Franzosen gegründete Cienfuegos, nicht wie Santiago in einem Kessel liegt, ist die Luft viel angenehmer. Dazu tragen sicher auch die grossen alten Bäume bei, die z.B. den langen Park zwischen den beiden Spuren der Hauptstrasse bilden. Dort trifft man sich zum diskutieren, spielen und musizieren. Auf den Strassen sieht man neben den Oldtimer, Pferdekutschen und Rischkafahrern, auch deutlich mehr neuere Fahrzeuge als in Santiago.
Die Frage nach dem Warum gab eine interessante Antwort: Wenn ein Kubaner im Auftrag des Staates im Ausland arbeitet, z.B. als Lehrer oder Arzt in Venezuela oder Angola, bezahlt Kuba der Familie zuhause weiterhin das (geringe) Gehalt, während er vom Gaststaat bezahlt wird. Und dabei deutlich mehr verdient als zuhause. Der Gaststaat muss jedoch dem cubanischen Staat rund 2'500CUC / US$ pro Monat bezahlen. Wenn dann jemand von einem Auslandsdienst zurückkehrt, erhält er das Recht, ein neues Fahrzeug zu kaufen. Während dies für einen normalen Kubaner unerschwinglich ist, verfügt er in der Regel über die finanziellen Mittel, um so ein Gefährt zu erwerben. So ist ein Auslandsaufenthalt im Dienste des Staates eine der wenigen legalen Möglichkeiten, das Land zu verlassen und dabei noch gut zu verdienen.
Für den grossen Rest wird eine Reise ins Ausland manchmal bewilligt, wenn man die Einladung eines nahen Verwandten vorweisen kann. Aber auch dann verlangt der Staat noch happige Gebühren. Während der Abwesenheit muss man sogar eine spezielle Steuer bezahlen! Deshalb machen sich heute noch Kubaner in absolut untauglichen Booten auf den Weg in die Freiheit (und oft in den Tod). Die, welche über 10'000 US$ Bargeld verfügen können sich durch ein Cigarette Schnellboot aus Florida abholen lassen. Alle anderen bleiben und hoffen auf bessere Zeiten nach Fidel und Raul und trösten sich mit dem Gedanken, dass die Situation heute immerhin schon viel besser ist als während der „Ausnahmesituation in Friedenszeiten“, als nach dem Wegfall der Sowjetischen Unterstützung viele Hunger leiden mussten.

Dass vieles nicht immer verfügbar ist, konnten wir an vielen Beispielen feststellen. Mal gab es im „Biergarten“ mehrere Tage kein Bier. Dann war Kaffee nirgends mehr erhältlich. Und auch vom sehr guten Queso Salami (ein Rauchkäse) hätten wir gleich mehr kaufen sollen denn Ende Monat gab's den auch nicht mehr.
Dafür standen Anfangs Monat Hunderte vor der Bank an, um Geld zu kriegen. Dieses wird natürlich gleich investiert und in den Geschäften gibt es kaum mehr ein Durchkommen.

Aber die Arbeiten an und um die MARADY konnten natürlich nicht vernachlässigt werden. So wurde endlich der Unterboden des Dinghi wieder mal gesäubert und der Schaft des Aussenborders mit Antifouling behandelt. Seither fliegen wir mit unserem Cabriolet wieder über das Wasser! Zudem musste die Kante, wo Ober- und Unterschale im Bugbereich zusammenkommen, neu gedichtet werden. Dabei ging schnell mal eine Woche vorüber. Zudem wurde das Deck von den hässlichen gelben Flecken, welche wir aus Santiago mitgebracht haben, befreit. Unzählige kleinere und grössere Projekte wurden wieder fertiggestellt.
Und Ady musste feststellen, dass der Zahnarzt in Santiago de Cuba ein Loch nicht geflickt hat. Also wieder zum Zahnarzt, diesmal über die International Clinic. Diese mussten uns in der Ambulanz zur Zahn-Klinik bringen. Als wir zuvor alleine dort erschienen, wurde uns eine Behandlung ohne Involvieren der International Clinic verweigert. Angeblich werden deren Dienste als Dolmetscher benötigt. Wenn die Begleitperson doch nur Englisch beherrschen würde! Als Füllmaterial stand nur Amalgam zur Verfügung, und auch dass erst 3 Tage nach dem ersten Besuch. Dafür hatten wir das Vergnügen, einen Behandlungssaal mit 6 Stühlen in einer Reihe zu sehen. Die einzelnen Bereiche sind nur durch ca 1.20m hohe Mauern abgetrennt. Die Zahnärztinnen halten während der Behandlung auch gerne ein Schwätzchen mit Kolleginnen, die gerade kommen oder gehen. Das Wichtige ist aber, dass Ady auf der bevorstehenden Reise keine Zahnschmerzen mehr hat.


So verging die Zeit wieder einmal viel zu schnell und es hätte noch viel Interessantes zu entdecken gegeben. Gerne hätten wir z.B. einen dieser Plattenbauten, welche am Stadtrand Tausende beherbergen, von innen gesehen. Mary hätte auch gerne Havana und Trinidad besucht. Aber die Hurricane Season rückt näher und der Weg zurück nach Grenada ist weit, wird lang und anstrengend.

 
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