2014 Dezember: Bonaire & Klein Curacao
 

11. Dezember - 18. Dezember: Klein Curacao & Bonaire

Auf nach Klein Curacao

Am 11. Dezember lief Ady´s Aufenthaltsbewilligung in Curacao nach Verlängerung ab. Also musste die MARADY wieder in einen seetauglichen Zustand gebracht werden: nach 5 Monaten vor Anker war längst nicht mehr alles so verstaut, dass es bei Seegang nicht durch das ganze Schiff flog. Die Rümpfe und der Bridle waren natürlich auch dicht bewachsen und mussten gereinigt werden.
Um 09.45 wurde der Anker gehoben und unter Motor durch die Ausfahrt ins offene Meer gesteuert. Draussen erwartete uns der Wind aus Ost mit einer Stärke von 5bft. So konnten wir die reaprierte Fock endlich mal im Wind begutachten. Und das Ergebnis war erfreulich: die Verstärkungen liegen richtig und der Sonnenschutz flattert nicht. So setzten wir Kurs SüdWest mit Ziel Klein Curacao. Diese unbewohnte Insel wird täglich von wenigen Schiffen mit Badetouristen angelaufen. Am Abend verlassen sie das Eiland wieder und wir hatten es auf eine der 3 festen Bojen dieser Schiffe abgesehen. Und tatsächlich, als wir um 17.00 eintrafen legte die "Mermaid" ab und wir konnten an ihre Boje. Auf der Insel stehen nur einige provisorische Gebäude, die die Tagestouristen beschatten und ein Leuchtturm. An der Ostküste liegen zudem einige Wracks, eines davon recht gross. Da die Sonne schon bald unterging reichte es nur noch zu einem kurzen Landgang. Die "Mermaid" hatte einen Bewacher zurückgelassen, der nun ganz alleine (abgesehen vom Geist eines vor langem auf der Insel verstorbenen Engländers) hier die Nacht verbrachte. Immerhin hatte Iron G., (oder Andy, wie sein wirklicher Name lautet) eine gut gefüllte Kühlbox aus der er uns Bier und RumCola offerierte. Man quatschte ein wenig und dann schwammen wir zurück zur MARADY.

Weiter geht es nach Bonaire

Am nächsten Morgen mussten wir die Boje freigeben bevor die "Mermaid" mit einer neuen Ladung sonnenhungriger Weisshäuter ankam, und das war so um 08.30 der Fall. Macht nix, wir freuten uns auf die Ueberfahrt nach Bonaire! Der Wind blies mit 4-5bft aus Ost und der Himmel war fast wolkenlos.
Diesmal hiess es hart am Wind segeln, denn das Ziel lag nordöstlich. Da konnten wir auch endlich mal versuchen, den Kurs über den Autopiloten am Wind zu fahren. Bisher setzten wir den Kurs jeweils fix mit einer gewissen Sicherheitsmarge. Nun hält das System den Winkel zum Wind und das klappt wunderbar! Nach 3 Wenden und 40nm über Grund nahmen wir vor Kralendijk (Korallendeich), der Hauptstadt von Bonaire, eine Mooring auf. Ankern ist verboten denn die ganze Insel ist Naturschutzgebiet. Es ist wunderschön, im kristallklaren Wasser zu liegen und vom Schiff aus die Fische zu beobachten!

Am nächsten Vormittag steht wieder Einklarieren auf dem Programm. Aber welche schöne Ueberraschung!!! Kurz bevor wir in´s Dinghi stiegen kam Nadine von der SeaBorne vorbei! Wir hatten keine Ahnung, wo sich die Schweizer, die Mary in Cuaraco kennen gelernt hatte, aufhalten. Nun hatten sie ihren Katamaran in die Marina verholt um dann in Ruhe einen Heimaturlaub anzutreten. Nadine war auch auf dem Weg zum Customs, also gingen wir zusammen. Und danach auf die SeaBorne, wo die Zeit mit schwatzen, diskutieren und einem leckeren Abendessen wie im Flug verging.

Am nächsten Tag nahmen wir dann die viel gerühmte Unterwasserwelt von Bonaire in Augenschein. Diese soll zu den 4 schönsten Tauchplätzen der Welt gehören. Auch wenn wir keine Taucher sind: gelogen wird in den Hochglanzbroschüren nicht! Wir schorchelten an verschiedenen Plätzen um Klein Bonaire. Da (wie auch um die Hauptinsel) sind Bojen ausgelegt, an denen man das Dinghi festmachen kann und direkt in dieses Unterwasserparadies eintauchen kann. Wir sind begeistert von den Korallen und den Fischen! Man kann kaum ein Foto machen, ohne dass ein Fisch drauf ist, die Vielfallt ist unglaublich! Es zahlt sich aus, dass Bonaire bereits 1975 die Unterwasserwelt unter Naturschutz gestellt hat. Das Allerschönste für uns waren jedoch die Meeresschildkröten: klar haben wir schon viele vom Schiff aus gesehen, aber mit ihnen unter Wasser zu schwimmen war ein sehr intensives Erlebnis!
Auch am nächsten Tag wurde das Dinghi gestartet und wir umrundeten Klein Bonaire, unterbrochen von SchnorchelStopps. Auch diesmal gab es viele Fische, unter anderen auch Flundern und Octopus, zu bestaunen.
Danach hiess es wieder Ausklarieren und versuchen, etwas Schlaf zu finden. Die Motorräder in Bonaire scheinen nach deren Lautstärke  bewertet zu werden und Dezibelbeschränkungen sind unbekannt. Da fällt halt das Ein- und Durchschlafen etwas schwerer. Aber was solls, auch das Paradies was nicht perfekt...
Am frühen Morgen tauchte ein Ungetüm von Kreuzfahrtschiff am Horizont auf: als wir an der "Ventura", (mit einer Kapazität für 3129 Passagiere und einer Länge von knapp 300m ein mittelgrosses Kreuzfahrtschiff) vorbeizogen kriegten wir fast die Nackenstarre vor lauter hoch schauen! Im weichen Morgenlicht hatte auch die "Ventura" ihren Reiz.

Und zurück nach Klein Curacao

Die Rückfahrt nach Klein Curacao war unter dem geliebten Genaker ein Sonntagspaziergang: 6 Stunden, nachdem wir in Bonaire die Mooring verliesen, lag die MARADY wieder an der "Mermaid" - Mooring in Klein Curacao. Diesmal mit nur 26nm im Kielwasser, da wir den Wind von achtern hatten und nicht aufkreuzen mussten. Als einziges Segelschiff neben uns lag die "Antigua" mit Uschi, Arthur und deren Chartergäste. Wir unternahmen einen etwas ausgedehnteren Spaziergang an Land und unterhielten uns kurz mit dem Aufpasser der "Mermaid"

Klein Curacao ist heute eine platte, kahle Insel mit dem Leuchtturm in der Mitte. Früher war sie hügeliger und mit Sträuchern bewachsen. Sie wurde von Bauern, die Kleintierhaltung betrieben, und Fischern bewohnt; zudem diente sie als Quarantänestation für Sklaven. Auch bei Vögeln war sie ein äussterst beliebter Nistplatz. Das führte dazu, dass auf der Insel tonnenweise Guano zu finden war. Dieser Vogelkot war zu der Zeit in Europa als Dünger heiss begehrt. Mit dem Ergebniss, dass innert 15 Jahren 90 Tonnen Guanophosphat abgetragen wurden. Seither ist die Insel platt und kahl und wird nur noch als Touristenattraktion genutzt. Der unbewohnte Leutturm ist zwar noch in Betrieb. Aber die Gebäude so zerfallen, dass sie wohl in absehbarer Zukunft durch eine Kontruktion aus Stahl ersetzt werden.

Am nächsten Nachmittag bewaffneten wir uns wieder mit Photoapparaten, schmierten uns mit Sonneschutz ein und schwammen wieder an Land um Leuchtturm, Wracks und was es sonst noch zu sehen gibt auf den Speicherkarten zu verewigen. Auf der Lee Seite wurde Korrallengestein, dass den Sand abdeckte, abgetragen und dort erstreckt sich nun ein schöner Strand. Wie so vielen Strände auf der Luv Seite der Inseln in der Karibik ist auch Klein Curacao mit einer Lage von Plastikmüll belegt. PetFlaschen, Schuhe, Verpackung von Kosmetika, Zahnbürsten, Spielzeug, Battriekästen und so vieles mehr beweisen ihre Langlebigkeit. Die meisten Inselbewohner sind überzeugt, dass dieser Unrat von Schiffen stammt. Dass der Wind und inbesondere die sintflutartigen Regenfälle den ganzen Müll, der auf den Inseln liegt, ebenfalls ins Meer tragen, können sie sich nicht vorstellen.
Auch der Macher des empfehlenswerten Dokumentationsfilmes "Plastic Planet" übersieht die Tatsache, das Plastikrecycling vielerorts schlicht und einfach unbekannt ist. Im globalen Kontext mutet die Schweizer "Plastiksäckli-Diskussion" deshalb wirklich lächerlich an. Aber jeder Beitrag zur Reduktion von Resourcenverschleiss und Abfallproblemen ist ein Beitrag! Auch die Herstellung und Transport von biologisch abbaubarem Plastik kommt nicht ohne Energie und Rohstoffe aus. Trotzdem würde dieser Ansatz wohl viel Müll auf den Meeren vermeiden. Eine Depotgebühr für Getränkeflaschen würde wohl von Nestle, Coca-Cola und den anderen Getränkemonopolisten mit Zuwendungen an die lokale Politik abgewendet. So, genug politisiert!
Passend jedoch die Ueberwachung der Insel: durch ihre Nähe zu Venzuela bietet sich Klein Curacao als SchmugglerInsel an. Damit es nicht so weit kommt, überfliegt die US Navy und die Dutch Airforce die Insel teilweise mehrmals täglich in tiefer Höhe. Da fühlt man sich doch sicher!

Zurück am Ausgangpunkt war nicht nur Iron G. als Nachtwächter da, auch die Nachbarshütten wurden Nachts bewacht. Natürlich kam auch Mikail Island zum Mermaid-Stützpunkt. Damit wir ja nicht hungrig ins Bett mussten gaben uns die beiden einen Fisch mit auf den Heimweg: lustig, mit einem toten Fisch in einer Plastiktüte zurück auf die MARADY zu schwimmen! Wir erfuhren, dass Mikail Island am nächsten Tag Geburtstag hat. Da kann man nicht einfach abhauen sondern trägt zu dem besonderen Ereignis mit Anwesenheit und BananenSchokokuchen aus der Kombüse der MARADY bei. Drei Fischer (Nathi, Rolli & einer ohne Namen) beehrten die Feier ebenfalls und Nathi fritierte Fisch, dazu gab es kreolischen Reis: lecker! Dazu lief eine Baseballübertragung im venezolianischen Fernsehprogramm. Das interessierte jedoch weniger sondern es wurde über Gott und die Welt im Allgemeinen und Hanfanbau im Besonderen diskutiert. Kurz vor Mitternacht schwammen wir dann wieder zurück an Bord, am nächsten Morgen hiess es "Mooring los" und wir traten wiederum unter idealen Bedingungen die Rückfahrt nach Cuaraco an.
 
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