2014 Mai - Juni: Martinique
 

13. Mai - 12. Juni: Martinique

Überfahrt von Carriacou

In freudiger Erwartung auf Martinique hatte Mary schon die Woche zuvor die Rümpfe und die Kette gereinigt: erfreulicherweise gab es keinen Muschelbewuchs, nur etwas SchlammSchwammmässiges das die Rümpfe zwar nicht freiwillig verliess, aber nach einem leichten Wink mit dem Spachtel das Weite suchte.

Am 13. Mai um 07.00 war die einigermassen saubere Ankerkette im Kasten und MARADY nahm Fahrt gegen Norden auf. Bei 5 bft hatten wir ein Reff in der Fock und zwei im Gross. So rauschten wir mit 5knts durch die Grenadienen. Am frühen Nachmittag waren wir schon auf der Höhe von Bequia. Da wars dann aber auch vorbei mit der ruhigen Fahrt: erwartungsgemäss nahmen die Wellen in der Strasse von Bequia zu. Um nicht im Lee der Insel zu dümpeln entschieden wir uns für einen östlichen Kurs. Da waren aber die Wellen noch ungebremst und energiegeladen von ihrer weiten Reise über denn Atlantik und Schiff und Crew wurden arg durchgeschüttelt. Der Kurs hart am Wind hätte ohne Wenden nicht gereicht, um auch östlich an St. Lucia vorbei zu kommen. Also entschieden wir uns in der St. Vincent Strasse, etwas abzufallen und westlich der Insel weiter gen Norden zu ziehen. Mit dem vorhersehbaren Ergebniss, dass wir kaum Wind hatten und teilweise kaum Fahrt machten. Dafür erstrahlten am Morgen wunderschöne Regenbogen und wir konnten die Pitons (sehen aus wie der Zuckerhut) noch lange sehen. Die Strasse von St. Lucia war dann nicht ganz so anstrengend wie erwartet, und wir steuerten mit 5knts Martinique an. Da die Einfahrt in den Hafen und Marina von Le Marin ziemlich viele Untiefen aufweist entschieden wir uns, in St. Anne zu ankern. 34 Stunden nach unserem Aufbruch in Carriacou und mit 163sm im Kielwasser, fiel der Anker in "europäischen" Gewässer.
 
Le Marin/St. Anne

St. Anne ist ein kleines Dorf mit wenig Attraktivitäten. Aber der Ankerplatz ist ruhig und sauber. Mit unserem Dinghi brauchten wir zirka eine halbe Stunde um nach Le Marin zu kommen. Dies ist die nautische Hauptstadt der französischen Antillen und gilt als hurricane hole. Obwohl wir von Chaguaramas einiges gewohnt waren (da liegen über 1000 Schiffe vor allem an Land) blieb uns erst mal fast der Atem weg: in Le Marin liegen über 1500 Schiffe im Wasser! Die Werft ist vergleichsweise klein, aber es gibt doch einiges an Schiffszubehör, natürlich in Euro und auf europäischem Preisniveau. So wurden die verschiedenen Fachgeschäfte aufgesucht, und zur Stärkung Baguette verdrückt. Auch an der Käseabteilung lief Mary nicht vorbei ohne ein Camembert oder so aus dem Gestell zu befreien. Ady hat sich für eine vegane Ernährung entschieden, so war das Angebot für ihn nicht ganz so verlockend. Besonders den Supermarkt "LeaderPrice" beehrten wir mit mehreren Besuchen, denn der
wartet mit einem Dinghidock hinter dem Gebäude auf: LUXUS wenn man den Einkauf nicht schleppen muss!
Wir hatten die Hoffnung, dass vielleicht in Martinique ein Computer Experte unsere Festplatte noch retten könnte. Leider müsste diese nach Metropole (Frankreich) geschickt werden und das würde mit einer Laufzeit von mind 6 Wochen zu lange dauern. So werden unsere Erinnerungen an die harte Zeit "on the hard" in Trinidad ohne Fotounterstützung auskommen müssen.
Eine kurze Backofenreinigung artete in eine mehrstündige Revision des Herdes aus, so vergeht die Zeit im nu.
Auch die Crew brauchte noch etwas Unterhalt: Mary brach sich bereits in Carriacou einen Teil eines Zahnes ab. Da die dortige Zahnärztin sich auf Zähne ziehen spezialisiert hat, verzichtete Mary auf die Behandlung. Der Zahnarzt in St. Anne setzte ein Provisorium auf den Zahn, damit wäre der Schaden erst mal behoben.
Am Sonntag unternahmen wir eine Wanderung der Südküste entlang. Diese ist wunderschön und die Palmenstrände sind wie aus einem Reiseprospekt. Da sahen wir vor allem einheimische Familien am Sonntagspicknick. Die Touristen bevölkern den zugegeben auch wunderschönen Strand des Club Med. Wir hatten schon lange nicht mehr so viele so weisse (oder rote) Menschen gesehen!

Überfahrt nach Fort de France

Wir wollten jedoch noch etwas mehr von Martinique sehen und so hoben wir den Anker und segelten nach Fort de France. Der achterliche Wind erlaubte uns, unser in Trinidad erstandenes Vorsegel auszuprobieren: es kleidet MARADY hervorragend und wir machten ohne Gross 6knts (bei 5bft Wind)! Einfach wunderschönes Segeln entlang der Ostküste Martiniques. Entgegen aller Befürchtungen konnten wir das Segel auch problemlos bergen. Da wir noch keinen "Pariser" (Bergesack)dafür haben musste Ady das Tuch, das Mary runter lies, augenblicklich zusammenraffen um zu verhindern, dass es in´s Wasser kam.

Fort de France (FdF)

Vor Fort de France sahen wir schon von Weitem ein Kreuzfahrtschiff am Pier liegen. Diese schwimmenden Städte sind immer wieder beeindruckend. Die MSC Divina war das letzte Kreuzfahrtschiff der Saison,dass FdF anlief. In der Sommersaison wird die Divina bis zu 4000 Passagiere durch das Mittelmeer schippern.
FdF ist eine faszinierende Mischung alter und neuer französischer Architektur. Viele Gebäude machen einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Aber natürlich gibt es auch riesige Shoppingcenters die wir heimsuchten. Unter anderem erstanden wir einen TabletPC für Severin welches dann auch eingerichtet wurde. Auch Leisten für die Küchenbeleuchtung fanden wir: in einem Laden wurde ein Schaukasten demontiert dessen Verbindungselemente die richtige Grössen hatten. Die alte Beleuchtung hatte einen Defekt und erlosch vorzugsweise dann wenn Mary am salzen oder pfeffern war, was häufig zu unschönen Worten führte. Ady verbaute LED Schlangen in diese Halterungen und verkabelte das Ganze so,dass in der Küche nun 3 Beleuchtungen mit jeweils zwei Stufen (Vollicht und gedimmt) zur Verfügung stehen. So macht das Kochen wieder Spass! Ebenfalls den Weg in die Küche fand ein grosses Stück Styropor: Da Mary den hinteren Teil der oberen Schränke eh nicht erreicht, wurde dieser damit aufgefüllt. Nun kann der Inhalt nicht mehr umkippen. Und auch der etwas schmudlig gewordene Wasserhahnen in der Küche wurde durch einen neuen ersetzt. Andere Artikel, die wir suchten,sind auch in Martinique nicht erhältlich, so z.B. Kugellager und Lippdichtringe in der benötigten Grösse für die Fäkalienpumpe. Der Aufwand, solche Sachen zu suchen, ist immer enorm.
FdF hat auch einige interessante Ecken. So z.B. die kopflose Skulptur die Josephine, die Frau von Napoleon, zeigt. Madame erblickte in Martinique das Licht der Welt. Da sie aber in ihrer Funktion als Kaiserin die Skalverei wieder einführen lies wurde sie postmortem geköpft. Dafür trifft man Victor Schoelcher, der an der endgültigen Abschaffung der Sklaveri 1848 massgeblich beteiligt war, an jeder Ecke: es gibt eine Ortschaft die Schoelcher heisst, einen Park mit Statue (mit Kopf) und natürlich die berühmte Bibliotheque Schoelcher. Der Gebäude wurde 1886 in Fertigbauweise in Paris errichtet und dann in Einzelteilen nach Martinique verschifft. Heute beherbergt die öffentliche Bibliothek unter anderem die Büchersammlung von Victor Schoelcher. Die Kathedrale worde vom gleichen Architekten wie die Schoelcher Bibliothek konstruiert. Sie weisst ein eigenartiges Fenster auf auf dem verschiedene Persönlichkeiten verewigt sind. Das Museum der präcolumbischen Archäologie ist ebenfalls sehr interessant - sofern man der französischen Sprache mächtig ist.
Noch viel beeindruckender als die von Menschenhand geschaffenen Werke ist die Natur: Der Regenwald reicht bis an die Stadtgrenze. Auch die Berggipfel verlocken zum Wandern. Diese erklimmt man jedoch besser früher im Jahr denn im Mai sind sie meist von Nebel bedeckt und somit hat man nicht mal eine tolle Aussicht. Mary passte jedoch den richtigen Tag ab und "erstürmte" die Hügel bei Balata. Der Regenwald war wunderschön. Da wird klar, warum Martinique auch Madinina = Blumeninsel
genannt wird. Aber natürlich leben im Wald auch viele Tiere und als Mary auf den Bus wartete wurde sie von Feuerameisen attakiert. Die Stiche (nicht Bisse) schmerzten die nächsten paar Tage höllisch!

Ja, Martinique hat uns sehr gut gefallen! Aber die ersten Tropical Waves zeigten an, dass es Zeit war, Richtung Süden zu segeln. So verliesen wir den Ankerplatz am 12. Juni mit günstiger Wetterprognose wieder Richtung Carriacou.
 
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