2012 August - November: Carriacou
 

Noch bevor unser Anker in der Tyrrell Bay fiel sahen wir Frank und die "Frieda" und er setzte mit seinem Dinghi gleich zu uns rüber. Da gab es einiges zu erzählen, denn seit wir uns in Guadeloupe getrennt hatten, haben beide Parteien einiges erlebt!

Langsam wurde damit begonnen, die Spuren der Reise zu beseitigen. Erste Priorität hatte natürlich das Stag. Ady löste es und brachte die gebrochene Halterung zu einem Schweisser, der seine Werkstatt auf einem schwimmenden Floss eingerichtet hat. Dieser leistet wirklich vorzügliche Arbeit und das Stag konnte wieder befestigt werden. Es wird jedoch trotzdem ersetzt werden müssen denn es sind auch mehrere Litzen gebrochen.

Aber wir sollten nicht lange Ruhe haben: von Osten näherte sich ein Tief von dem schon bald klar war dass es das Potential zu einem Hurricane hat. Dessen Verlauf wurde so vorhergesagt dass das Zentrum über Carriacou zieht. Viele Segler verschoben deshalb nach Grenada. Andere blieben hier und suchten in den Mangroven Schutz. Frank beschloss, nach Trinidad zu segeln und einige Besorgungen dort zu erledigen. Auch wir wollten weiter weg als nur Grenada. Um ein Tief drehen die Winde auf der Nordhalbkugel bekanntlich im Gegenuhrzeigersinn. So konnten wir vor dem, in der Zwischenzeit als Tropical Depression bezeichneten, Tief mit nördlichem Wind relativ gemütlich Richtung Tobago segeln. Ca 50 NM vor der Küste Tobagos lies der Wind nach bevor er auf Süd drehte und wir die Rückreise antreten konnten. 50 h nach dem Auslaufen und eine Woche nachdem wir aus Cuba kommend in der Tyrrell Bay ankerten waren wir wohlbehalten wieder zurück. Und nahmen die Arbeiten wieder auf: sei es aufräumen und putzen, reparieren und optimieren oder endlich wieder mal e-mail schreiben und im www stöbern.

 

Die Versorgung auf der kleinen Insel mit gerade mal 6000 Einwohnern ist nicht so vielfältig. Und obwohl die Insel sehr grün ist werden auch Gemüse und Früchte zu einem grossen Teil aus Grenada oder von weiter her importiert. In den vielem kleinen Shops ist die Auswahl auch beschränkt und mehr oder weniger überall das selbe Sortiment. In der Gefriertruhe gibt es Geflügel und in grossen Eimern Schweineschwänzchen in Salzlake. Aber die Insulaner müssen doch auch mal was anderes essen, die vielen Ziegen und Schafe werden ja nicht alle an Altersschwäche sterben. Wie wir erfuhren schlachten Bauern vor allem am Samstag und bieten dann das Fleisch direkt am Strassenrand an. Also machte sich Mary zusammen mit Frank am Samstagmorgen auf den Weg Richtung Hauptort. Dies ging natürlich nicht der Hauptstrasse entlang, über die Hügel ist zwar anstrengender aber auch interessanter. Und noch vor Hillsborough wurde auf einem wackeligen Tisch Schweinefleisch mit der Machete in Stücke geschlagen. Die Sau hat ihr Leben hinter dem Verkaufstisch unter ein paar grossen Bäumen ausgehaucht und wurde anschliessend in einem grossen Becken gebrüht um die Borsten zu entfernen. An den Ästen baumelte schon der Kadaver eines Schafes. Nun, es ist sicher nicht jedermanns Sache, von so einem Stand sein Abendessen zu erstehen. Aber frischeres Fleisch bekommt man kaum und die Viecher wurden nicht mit Sojamehl und Antibiotika vollgestopft.

 

Bei einem seiner seltenen Landgänge probierte Ady Früchte, die am Strand unter den Bäumen lagen. Mary wollte nicht kosten denn die Einheimischen essen diese Früchte, die wie kleine Äpfelchen aussehen, nicht. Ady's erster Eindruck war, dass sie ziemlich süsslich und interessant schmecken. Schon 10 Minuten später wich der Geschmack dann jedoch einem starken Brennen in Mund und Speiseröhre, welches immer schlimmer wurde. Bald setzte auch Durchfall ein. Da war dann auch klar, dass diese Früchtchen die giftigen Manchinel sind. Ady konnte kaum mehr schlucken und kurierte die Vergiftung mit viel Schlaf aus. Die Einheimischen konnten ausser einer Medizin gegen sauren Magen auch nicht helfen. Das von Doktor Frank empfohlene warme Cola ohne Kohlensäure brachte etwas Linderung und Flüssigkeitszufuhr. Der Patient litt 3 Tage und konnte kaum essen. Die oberste Schicht auf Zunge, im Mund, im Rachen und im Darm lösten sich verätzt ab. Und zu allem Elend bekamen wir die Nachhut von Hurricane Isaac, welcher über die nördlichen kleinen Antillen zog, zu spüren: der Westwind baute ca 2m Wellen auf welche uns in der, in diese Richtung ungeschützten, Bucht kräftig durchschüttelten. Immerhin hielt unser Anker, aber wir kratzten mit Kiel und Ruder am Riff. Glücklicherweise ohne nennenswerte Schäden. Nach 6 Tagen war Ady dann auch wieder auf den Beinen und das Wetter wieder angenehm.

 

Ende August kehrte auch Martin mit seiner „Bluyon“ in die TyrrelBay zurück. Hier haben sich im Frühling unsere Wege getrennt und wir freuten uns sehr, dass sich diese wieder kreuzten.
Er schloss sich der samstäglichen Wanderung nach Hillsborough an. Der Hauptgrund für diesen Ausflug war Einkaufen, vor allem beim schon genannten Schlachter Sepp(timus). Je nach Angebot wurde Ziege, Schaf oder Schwein erworben. Ziegen und Schafe sehen hier im Übrigen sehr ähnlich aus denn die Schafe tragen aus verständlichen Gründen kaum Wolle.

 

Ein weiterer Ausflug führte in den Norden der Insel wo Mary ja schon im Februar war. Das damals im Bau befindliche Holzschiff ist nach wie vor ziemlich weit vom Stapellauf entfernt. Aber gut Ding will bekanntlich Weile haben. Die Wanderung führte uns zu einem Strand wo Schildkröten ihre Eier ablegen. Frank wollte möglichst auf direktem Weg zurück. Dass man dabei aber Klippen hochklettern muss war wohl dann doch nicht so geplant. Aber auch Mary kam mit zitternden Knien oben an. Franks Schuhwerk war der ungewohnten Herausforderung weniger gewachsen und löste sich langsam in Einzelteile auf. Immer noch auf der Suche nach dem richtigen Weg fanden wir immerhin die Ruinen eines alten Gehöfts welches auch mit einer Kanone ausgerüstet war. Und Franks Schuhsohle hielt mit einem Bändel festgebunden doch noch bis zur Hauptstrasse. Von da an musste er in Socken gehen: Beide Schuhsohlen machten sich selbstständig und der Asphalt war so heiss dass man nicht barfuss gehen konnte!

 

Als Ende September die Grenada Hash House Harriers ihre Schnitzeljagd auf Carriacou durchführten war das natürlich ein Freudentag für Mary. Zusammen mit Martin gings wieder nach Winward im Norden der Insel und von da auf den höchsten Berg der Insel. Dieser heisst der Einfachheit halber „High North“und ist 955ft (320m) hoch. Die Aussicht von dort oben ist fantastisch! Zwischen Bequia im Norden bis Grenada im Süden liegen die Grenadinen und die zu Grenada gehörenden Inselchen, enfach eine fantastische Aussicht! I
Irgendwie brachten wir es sogar fertig, nicht den offiziellen Hash Weg zu nehmen. Mit dem schönen Ergebnis dass wir „Red spotted leg Turtoises“sahen. Dies ist eine verbreitete Landschildkröten Art welche wir später noch öfters antrafen.


Schildkröten auf Carriacou sind einen Absatz wert: Am 1. September sahen wir unter den Bäumen in der Tyrrel Bay zwei grosse Meeresschildkröten auf dem Rücken am Strand liegen. In Grenada ist die Jagd dieser faszinierenden Meeresbewohner von September bis April (wie auch Lobster, Conch und anderes Meeresgetier) erlaubt, während sie in der restlichen Karibik das ganze Jahr geschützt sind. Der Fang für den Eigenkonsum kann ja aus traditionellen Gründen mit viel gutem Willen noch akzeptiert werden. Aber wenn es denn schon sein muss sollen die Tiere wenigstens nicht stundenlang leiden müssen. Wir hoffen jedoch, dass die Petition, die den Schildkrötenfang auch auf Grenada verbieten will, Erfolg hat und auch in Zukunft Menschen die Freude erleben dürfen wenn so ein Urtier neben dem Schiff seinen Kopf aus dem Wasser streckt.

 

So vergingen die Tage mit werkeln, putzen, kochen usw. Zwischendurch wurde auch das vor der Haustüre gelegene Riff schnorchelnderweise besucht. Fische in allen Farben und Grössen bewohnen die Korallen. Mit etwas Glück sieht man auch Tintenfische und Langusten. Dies erinnerte Ady an sein Fischreusenprojekt.

 

Also an die Arbeit: nach unzähligen Stunden war die Luxusfalle einsatzbereit. Obwohl noch Verbesserungspotential erkannt wurde war schon der erste Einsatz ein Erfolg: neben einem Fisch, der mit ca 20cm eher klein war, ging ein Tintenfisch in die Falle. Diesen anschliessend küchenfertig zu machen war wieder mal eine neue Herausforderung! Dasselbe Spiel dann mit den Conch, die Mary aus ca 4m Tiefe tauchte. Diese Schnecken gelten als Delikatesse und gehören nicht zu den gefährdeten Tierarten. Aber wie kriegt man nun den essbaren Körper aus dem Schneckenhaus? Da wir eh noch Fisch hatten wurden die Behausungen der Schnecken am Rand kurzerhand mit einem Loch versehen, eine lange dünne Leine durchgezogen und diese am Anker der MARADY befestigt. So konnten die Schnecken an der Leine weiterhin am Grund grasen ohne dass sie abhauen konnten. Das Fleisch löst sich übrigens einfach wenn man ein Loch nahe der Spitze des Gehäuses schlägt und dann den Muskel mit einem spitzen Messer durchtrennt. Tja, solche Delikatessen sind im Tiefkühlregal der Migros sicher leichter zugänglich, aber ob sie auch so gut schmecken wie frisch und selbst gefangen, sei mal dahingestellt.
Als besonders handlich und schmackhaft erwies sich der Honeycomb Cowfish. Da er so was wie Hörner hat wurde er von Mary Hörndligödu genannt. Diese Gattung ist ca 30cm lang und scharwenzelte öfters um die MARADY. Ady konnte einen von Deck aus einfach mit einem Kescher fangen. Er hat eine Schale etwa so dick wie ein Ei aber viel zäher, damit kann er auf Geräten verzichten. Man schneidet ihn einfach oben auf (natürlich erst nachdem er mit einem guten Schuss Hochprozentigem hinter die Kiemen in's Jenseits befördert wurde!) und klappt die Seiten nach unten, wie bei einem altmodischen Koffer. Wahrscheinlich heisst er darum auf Deutsch Kofferfisch. Und geschmeckt hat er irgendwie zwischen Languste und Hühnchen.

Die Langustenfalle die Ady dann auch noch gebaut hat erwies sich als weniger erfolgreich als die Fischfalle. Am Schluss musst er er doch noch zwei Langusten mit dem Speer erlegen.
Ja, es war paradisisch in der Tyrrel Bay und der Tisch war immer gut gedeckt.

 

Frank verlegte sich mit seiner „Frieda“schon mal nach Grenada, dafür trafen die „Twiganauten“ Helga und Peter ein, mit denen Mary eine schöne Wanderung unternahm. Vor allem der schwarze Sandstrand und die Mondlandschaft an der Westküste erinnern daran, dass die Insel vulkanischen Ursprungs ist.

 

Anfangs November lief unser Visum aus und wir klarierten aus um nach Trinidad zu segeln. In Grenada liessen wir den Anker für eine Nacht fallen um uns von Frank zu verabschieden: er will Anfangs nächstes Jahr durch den Panamakanal in den Pazifik.

Leider hatten wir für die Weiterfahrt nach Chaguaramas kaum Wind so dass wir fast die Hälfte der gut 80NM motoren mussten. Dafür konnten wir unterwegs einen 3,5kg Prachtskerl von MahiMahi fangen der in den folgenden Tagen unseren Menueplan bestimmte.

 
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