2012 Januar - Februar: Grenada, Carriacou
 

Mitte Dezember 2011 - Februar 2012: Grenada/Carriacou

Am 13. Dezember hoben wir den Anker um wieder Kurs Richtung Norden zu setzen. Mit östlichem Wind und Strömung nach West war wieder mal ein Hart am Wind Kurs auf dem Programm. Damit hätten wir eigentlich direkt in die Prickly Bay in Granada einlaufen können. In unseren Kalkulationen war jedoch kein seismisches Vermessungsschiff enthalten: Seit längerem durchkämmt der Seismic Vessel Naila mit seiner Entourage das Gebiet um Messungen durchzuführen. Dazu werden 5nm (über 9km lange) Kabel resp. Schläuche durch das Wasser gezogen, welche man nicht queren darf. Natürlich kreuzte die Polarcus Naila unseren Kurs und wir mussten 10km westwärts abfallen. Eine Distanz die wir nur mittels mühevollem Aufkreuzen wieder gutmachen konnten.

So erreichten wir erst nach 30 Stunden auf See unser Ziel Prickly Bay. Der Anker fiel diesmal auf sandigem Grund in klarem Wasser. Die Ruhe in der Bucht war nach all dem Krach in Chaguaramas eine wirkliche Wohltat für die Ohren und auch das Ufer bietet ein deutlich schöneres Panorama.
Nach dem Einklarieren konnten wir unser Weihnachtsgeschenk, drei gebrauchte, in den USA via ebay ersteigerte IBM Laptops, in Empfang nehmen. Diese sollen die beiden ersetzen, welche im vergangenen November ihren Geist aufgegeben hatten. Aus Sicherheitsgründen haben wir nun wieder eine dreifache Absicherung des Navigationssystems.

An einem schönen Sonntag machten wir einen Ausflug mit dem Dinghi nach Hog Island. Auf diesem wunderschönen Inselchen findet jeden Sonntag eine Strandparty statt. In illustrer Gesellschaft genossen wir das Rumhängen: Jana Caniga, die ehemalige Nachrichtensprecherin bei SFDRS, die in einer nahe gelegen Bucht die Marina „le phare bleu“ betreibt, ist regelmässig Gast.

Bei unserer Rückkehr fanden wir einen neuen Nachbar vor: die „Mupfel“ hatte ihren Anker neben der MARADY geworfen. Es ist schön wenn man wieder mal jemanden trifft, den man schon kennt. Und Selinda ist eine gute Komplizin für Mary um die Landschaft zu erkunden, während Paul und Ady eher den technischen Gedankenaustausch pflegen. Leider musste Selinda dann nach Hause reisen da ihr Vater unheilbar krank war und in der Zwischenzeit verstorben ist.
Gross war die Freude als Martin mit seiner „Bluyon“ in der Prickly Bay auftauchte. Wir hatten den Schweizer Einhandsegler das letzte Mal in Salvador/Brasilien getroffen. Da gabs natürlich einiges zu erzählen und es gab wieder mal einen Grund, ein Raclette zu zelebrieren. Dazu braucht es nicht zwingend Käse „made in Switzerland“, mit Cheddar schmeckt es auch nach Heimat.

 Mit anderen Seglern unternahmen wir einen ganztägigen Inselausflug.
Dabei stand natürlich die Besichtigung einer Muskatnussfabrik auf dem Programm: Grenada ist der weltweit grösste Produzent dieses Gewürzes und zeigt dieses auch auf der Nationalflagge. Mit Muskat wird nicht nur der Rhumpunsch gewürzt, nein es gibt auch Muskat Sirup, Gelee und sogar Glace!
Auch einer Rhumdestillerie statteten wir einen Besuch ab.
Der Rhum ist aber so grauenhaft stark (70% und mehr) dass man ihn auch stark verdünnt kaum trinken kann. Und die Natur auf Grenada ist gewaltig: grüne Berge, Vulkanseen, Wasserfälle und eine beeindruckende Küste mit wahlweise schwarzem oder weissem Sand.
Die Einheimischen lachen sehr gerne und viel, das ist schon ansteckend. Dabei bleiben sie höflich und korrekt, was nicht selbstverständlich ist an einem Ort, der fast täglich von Kreuzfahrtschiffspassagieren überschwemmt wird.

Die Hashes, eine Art Schnitzeljagd, wurde für Mary zum festen Termin am Samstag. Die Veranstaltungen finden in verschiedenen Orten der Insel statt und man sieht einmal mehr als von der Strasse aus. Wenn es zuvor geregnet hat kann der Trip durch den Dschungel auch eine recht schlammige und rutschige Angelegenheit werden. Aber es gibt Leute die für eine Schlammpackung ein Vermögen bezahlen. Der verschönernde Aspekt hielt sich bei Mary jedoch in Grenzen. Auch Martin fand Gefallen an dieser Art Ausflüge. Manchmal war es dann schon besser, dass die wenigsten Teilnehmer die schweizerdeutschen Kommentare der beiden verstanden...
Ein weiterer Ausflug mit Martin führte zu den Concordia Fällen. Bis zum ersten führt eine gute Strasse, womit dieser auch für Otto Normal Tourist erreichbar ist. Die beiden anderen sind dann nur noch über nicht immer einfach zu erkennende Fusswege zu erreichen, die manchmal einen Wasserlauf kreuzen. Oder durch gemeine, schuhschluckende Schlammlöcher führen. Dafür traf man unterwegs nur einheimische Bauern die ihre Gärten an den unwegsamen Hängen bewirtschaften. Eine ältere Frau beeindruckte uns tief. Nachdem wir wahrheitsgemäss angegeben haben, woher wir stammen meinte sie, sie kenne den berühmtesten Schweizer. Wer nun meint, sie hätte Roger Feder genannt, was wohl die meisten Schweizer würden, liegt falsch. Nein, diese einfache Frau aus den Bergen Grenadas nannte William Tell! An den wunderschönen Fällen hielten wir es aber nicht lange aus: die Mücken freuten sich extrem über den seltenen Besuch und attackierten uns gleich in Schwärmen.
Zu Marys Wochenprogramm gehörte auch die Teilnahme an einem Kochkurs: zwei einheimische Köchinnen zeigen die Zubereitung lokaler Spezialitäten. Die eine heisst Omega, aber bei ihrer Leibesfülle denkt man automatisch „Oh Mega!“. Natürlich lernt man da auch Leute kennen. Unter anderem einen Amerikaner, der in der darauf folgenden Woche einen Segeltörn mit Freunden unternahm. Am Ende ihrer Reise gaben sie die Lebensmittel, die sie noch auf der Charteryacht hatten, ab. So wurden wir glückliche Abnehmer von rund 50kg Früchte, Gemüse, Teigwaren usw bis hin zu Caviar!

Auch das Abhören der täglichen Funkrunde erwies sich wieder mal als lohnend: Für eine Flasche „Malibu“ erhielten wir einen 30kg Claw Anker. Darüber, welcher Anker der Richtige ist, wurde schon viel diskutiert, aber unsere beiden 22,5kg Anker sind einfach eher zu leicht für die MARADY.

Natürlich blieb die Arbeit an Bord auch nicht liegen. Unter anderem wurden beide Motoren wieder mal einem gründlichen Service unterzogen. Dabei waren die Filterwechsel noch das Einfachste. Die tropfende Salzwasserkühlpumpe zu reparieren war etwas kniffliger. Und die Impeller mit dem zu engen Durchmesser auszubohren war dann schon eine besondere Herausforderung. Zudem wurde der Boiler ausgebaut. Der war so doof angebracht dass Ady ihn kopfüber demontieren musste. Zum Ausgleich wurde dann die Halterung des Boilers an die Salon Decke montiert. Da kann jetzt ein Laptop eingeschoben werden und wir können bequem Filme schauen (der Bildschirm hängt von der Decke wie im Flugzeug).

Da vergehen die Wochen wie im Fluge. Und die Fasnacht kam immer näher. Carneval wird auf der zu Grenada gehörenden Insel Carriacou vor Aschermittwoch gefeiert, auf der Hauptinsel jedoch erst im Sommer. Da juckte es schon in den Fingern und wir machten uns schleunigst auf den Weg nach Carriacou!

Auf dem Weg nach Carriacou

Nachdem wir fast zwei Monate in der Prickly Bay lagen hoben wir mit sauberen Rümpfen aber immer noch zugewachsenen Kielen den Anker. Die Windvorhersagen waren günstig, da sollte das rund 30nm (ca 55km) entfernte Carriacou leicht in einem Tag zu erreichen sein. Der Anker kam problemlos hoch, nur musste Mary noch ein paar Shorts von Ady, welche nicht festgepinnt waren, nachtauchen (natürlich nicht im Bikini sondern Hose und Shirt welche frisch gewaschen waren und dann gleich wieder voll Salzwasser waren!).

Aber wie so häufig hielt sich der Wind nicht an die Vorhersage und wir segelten wieder mal hart am Wind. Und mussten bald mal einsehen, dass wir Carriacou kaum an diesem Tag erreichen werden. Und das obwohl wir um 06.00 aufgestanden sind und um 09.00 los! Naja, Martin mit seiner „Bluyon“ war eh schneller als wir und meldete dass der Ankerplatz bei Guayave (ca 1/3 des Weges) ganz ok sei.
Das Fischerdorf ist wirklich sehr idyllisch: die Fischer, die ihre Netze am Strand ausbreiten und Boote haben, die noch gerudert werden, die Kinder die am Strand tschutten... es war einfach schön.
Bis am nächsten Morgen Fischer an gerudert kamen und ihr Netz auswarfen. Sie erkundigten sich wo den unser Anker sei. Mary gab ehrlich zu, dass dieser unter der Ankerboje sei (dafür ist die Boje ja da: damit man sieht wo der Anker ist). Ein "Hilfsfischer" (junger Mann mit etwas kleinerem Ruderboot) steuerte die Boje an und zog mal an der Leine. Naja, wenn er nicht glaubt dass der Anker da unten ist soll er doch schauen... Dann aber konnte Mary kaum glauben was sie sah: der Jüngling hob doch glatt den 22,5kg Anker mit Kette und wollte uns den auf die MARADY bringen!?!? Nun musste Ady aber sehr schnell aus den Federn! Unser Anker war im HiFiBoot, hinter uns ein Motorböötchen an einer Boje und kein Ausgang da die Fischer das Netz grosszügig um die MARADY gelegt hatten. Zuerst verstanden die Männer unsere Aufregung nicht, mit der Zeit sahen sie dann aber ein, dass dies wohl nicht der glücklichste Fang ihres Lebens werden würde. In der Zwischenzeit driftete MARADY schon mal über die Bojenleine des Motorböötchens welche sich natürlich um unseren Propeller legte. Da sah dann der Cheffischer ein dass nun gehandelt werden musste und sprang selber in's Wasser um die Bojenleine zu befreien (welche glücklicherweise unsere Ruder und Propeller nicht beschädigte). Danach wurde der Bojenblock kurzerhand gehoben und das Gefährt samt Boje verschoben. Aber MARADY war ja noch immer gefangen! Auch kein grösseres Problem: der Cheffischer taucht, drückt das Netz runter und wir rutschen mit unseren in der Zwischenzeit ca 1.40m Tiefgang über den Netzrand in die Freiheit. Dabei sollte man immer im Auge behalten dass diese Leute ausser einer Taucherbrille keine Tauchausrüstung haben!
Wir hatten nun genug von Guayave gesehen und segelten nordwärts, während Martin noch frühstückte. Er wird uns sowieso einholen...

Danach war entspanntes Segeln hart am Wind auf dem Programm, die letzten Seemeilen in die Tyrell Bay auf Carriacou mussten wir motoren wenn wir nicht die ganze Nacht aufkreuzen wollen. Und das wollen wir wirklich nicht, denn am nächsten Tag ist Güdisdienstag!

Carriacou


Unser Anker hielt ausnahmsweise sehr gut, das ist auch notwendig den es fegten ziemlich deftige Böen in die Bucht.
Wohlgemut machten wir uns zusammen mit Martin auf den Weg in die "Stadt". Von Carneval war noch nicht viel zu sehen, also genossen wir einfach mal den Strand. So um 16.00 ging es dann langsam los: ein kleiner LKW mit der Ladefläche voll brummender Lautsprecher schleicht durch die Strassen, im Schlepptau ca 20 verkleidete Menschen. Die Kostüme sind sehr bunt, aber die wenigsten sind geschminkt. Diese erste Truppe trägt Kostüme in den Nationalfarben grün/rot/gelb und wir haben den leisen Verdacht, dass diese nach dem Independence Day vor zwei Wochen nun ihren zweiten Auftritt haben. Der Corso dreht nun seine Runde und beim zweiten Durchgang sind schon mehr Gruppen mit dabei. Vor allem Frauen, eher leicht bekleidet. Was bei den hiesigen Temperaturen auch Sinn macht. Was uns wirklich beeindruckte ist der Stolz, mit dem sich auch die Alten und Dicken präsentieren! Die Kinder sind sowieso ausser Konkurrenz, die sind einfach zu süss!
Während Mary den Umzug bestaunte und fotografierte pflegte Ady den Gedankenaustausch mit einem lokalen Rasta. Wobei die Wahrheit vielleicht auch ein bisschen verkleidet war...
Zu Trinken gab es RhumCola. Dazu wurde der Rhum in einem Laden gekauft, das kalte Cola in der Bar und ein fliegender Getränkehändler lieferte das Eis dazu. Wenn man alle Zutaten hatte wurden diese in einen Becher gefüllt und auf eine dröhnende Boxe gestellt, da mischte sich das Getränk von alleine. Man musste nur noch aufpassen, dass der Becher nicht über den Rand tanzte oder von einem durstigen Fasnächtler gegen einen leeren Becher ausgetauscht wurde.
Zu guter Letzt gaben einige Kinder noch ein SteelDrum Ständchen: unbeschreiblich mit welcher Präzision die vielleicht 6-10jährigen den alten Stahlfässern die richtigen Töne entlockten!
Der danach einsetzende Regen zeigte uns dass es wohl Zeit sei, nach Hause zu gehen. Auf dem Weg zurück erläuterte uns der Fahrer, dass weisse Frauen "too sweet" wären und dass er soooo gerne eine hätte. Offensichtlich sind die schwarzen auch nicht soooo schlecht, denn mit seiner Ehefrau hat er 9 Kinder....

In den folgenden Wochen hatten wir fast immer starken Wind in der Bucht. Erstaunlicherweise hielten alle Anker recht gut und keine der Yachten ging auf Drift. Nur der Anker unseres Nachbarn „Sitatunga“ slippte leicht. Hingegen wurden sie von einem Fischertrawler gerammt: dieser war an einen anderen mit einem Tau angehängt. Nachdem dieses durchscheuerte machte sich der Kahn selbständig in krachte gegen die „Sitatunga“, gottlob ohne grösseren Schaden zu verursachen.
Deren Besitzer Cindy und Dan hatte Ady bereits auf den Bahamas kennengelernt und wir trafen sie in Trinidad. Natürlich wurden da auch alle Bekannten aus dem Ocean Reef auf Grand Bahamas diskutiert. Da sich Ady mit Computern wirklich gut auskennt hat er Dan seinen Laptop gründlich von ungenutzten Programmen befreit, so dass dieser nun wieder viel schneller läuft (der Compi, nicht Dan!).
Auch die „Bagalut“ trafen wir nicht zum ersten mal. Zum ersten Mal konnte Mary bei ihnen jedoch live mitverfolgen, wie Conch ausgenommen werden. Diese grossen Schnecken sind eine karibische Delikatesse. Uns gefällt jedoch die Schale besser als der Inhalt und die „Bagalut“ schenkten uns ein wunderschönes Exemplar.

Mary konnte zusammen mit anderen Seglern an einer Inselrundfahrt teilnehmen welche dank dem immensen Wissen des Fahrers sehr interessant war.
Beeindruckend war das Inselhospital: je ein Saal für ca 30 Frauen und Männer, mit einfachen Metallbetten welche notdürftig durch Vorhänge abgetrennt werden können. Im Arztzimmer steht eine Liege, ein Stuhl, ein Spuckbecken sowie Kleenex und Latexhandschuhe für den Untersuch bereit. Notfälle werden jedoch auf die Hauptinsel gebracht. Aber auch dort ist der Standard weit von Westeuropa entfernt. Ein älterer Segler, der dehydriert eingeliefert wurde, ist beinahe gestorben weil er keine Diätnahrung erhielt und nicht mobilisiert wurde. Er schaffte es nur dank der von Seglern gebrachten Proteindrinks u.ä. und der von denen durchgeführten Bewegungstherapie. Er wird wohl nie mehr segeln, aber ein Einheimischer hätte die von der Seglergemeinde aufgebrachten 2000CHF für die Spitalkosten wahrscheinlich nicht auftreiben können.
Interessant waren auch die Werften im Norden, wo noch nach traditioneller Art Holzboote gefertigt werden.
Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Grenadinen, auch auf Petit St. Vincent. Auf dieser wunderschönen Privatinsel ist ein Luxusressort untergebracht. Bei Preisen von über 1000US pro Nacht belassen wir es beim Anblick aus der Ferne.

Und wie immer brauchte auch die MARADY Aufmerksamkeit. So wurde unter anderem die Dirk gespleisst und das Grossfall gekürzt weil beide durch gescheuert waren. Das sicher anstrengendste war jedoch, die Kiele zu reinigen. Der Bewuchs daran musste endlich weg, denn er war zu schwer und beeinträchtigte die Segeleigenschaften der MARADY extrem. Ady war jedoch noch mehrere Tage wegen seines Meniskus ausser Gefecht. Danach reinigte er an drei Tagen die Kiele. Die Wassertemperatur war relativ tief, so dass er jeweils mit blauen Lippen aus dem Wasser kam. Aber es hat sich auf alle Fälle gelohnt und wir schworen uns, bis zur nächsten Reinigung nicht so lange zu warten.

Dann wurde es aber auch Zeit, sich von Martin zu verabschieden und unsere Reise fort zu setzen.

 
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