2009 Juli - August: Azoren, Teil 1
 

2009 Juli - August: Azoren, Teil 1

8. Juli

In der Schweiz hören wir im Sommer fast täglich in den Wetterprognosen von einem Hoch über den Azoren das das Wetter in Europa beeinflusst. Wir sind nun schon 9 Tage auf der westlichsten Insel der Azoren, Flores, und haben nicht viel von diesem Hoch gemerkt. Dennoch hatten wir einige schöne Tage. Zudem sind die Einheimischen hier wirklich sehr nett! Der Zollbeamte Vito hat uns einen ganzen Nachmittag die halbe Insel gezeigt. Sie ist wirklich ein kleines Paradies im Atlantik und wir können sie jedem, der Wanderferien plant herzlich empfehlen. Eine schöne Unterkunft für einen Aufenthalt an Land wäre unter folgendem link zu finden: www.aldeiadacuada.com. Vielleicht ist Flores wirklich ein Rest des versunkenen Atlantis? (Auch wenn ich es nach Platos Beschreibungen eher in Bolivien vermute). Im Landesinneren gibt es 7 ganz unterschiedliche Seen. Zwei sind nur durch eine Krete getrennt, aber der eine scheint ganz schwarz, während der andere grün erscheint. Zudem gibt es jede Menge Wasserfälle die zum Teil fast direkt ins Meer fliessen. Die Schönheit dieser Insel hat unsere Freunde aus England, Chris und Cathy von der Ossary dazu bewogen, sich hier gleich ein Haus zu kaufen.

Letzen Sonntag waren wir an einer katholischen Feier zu Ehren des „Spirito Santo“ in Lomba, ein Dorf ca 7km von unserem Ankerplatz in Lajes entfernt. Schon am Donnerstag zuvor war die Gasse zur Kirche mit Blumenornamenten am Boden geschmückt. Wenn ich das richtig verstanden habe wurde eine Statue der „heiligen Frau von Lourdes“ in die Kirche gebracht, wo sie 3 Tage bleibt und dann in's nächte Dorf gereicht wird und so alle 11 Dörfer der Insel besucht. Dieser Event findet alle 5 Jahre statt, die Feier des „Spirito Santo“ jährlich und zwar in jedem Dorf. Am Sonntag gab es nach der Messe kostenlos Brotsuppe mit Minze und Siedfleisch für alle. Und es erschienen deutlich mehr Leute zum Esse als vorher zur Messe! Das Essen wurde in einer „Residenz des Heiligen Geistes“ ausgegeben (diese Häuser gibt es in jedem Dorf) und einem anderen Haus neben der Kirche. Gegessen wurde in Schichten: alle Plätze im Saal wurden gefüllt, dann wurde zuerst die Suppe mit Siedfleisch serviert und dann nochmals Siedfleisch mit Sauce. Nach ca einer halben Stunde wurde das Geschirr abgetragen, gewaschen, neue Tischdecken aufgelegt und die nächste Runde eingelassen. Wie waren bei den Letzten und es war bereits 4 Uhr, die Messe war um 1 Uhr fertig. Ich schätze, es waren ca 400 Leute zum Essen da. Auf der Insel leben ca 4000 Leute.

Ein beliebter Treffpunkt für uns Segler ist die „Sport Bar“ von Sonja und Ricardo. Sonja kocht jeden Abend ein leckeres Gericht, ein grosser Teller inkl. Wein und Kaffee kostet 6 Euro. Wir hatten meistens Hühnchen, unterschiedlich zubereitet, mit Pommes, Reis und Salat. Gestern hat uns Ricardo eine fantastische Muschelspezialität mit viel Knoblauch serviert. Emanuel der Sanitäter, Feuerwehrmann und DJ hat mir dann erzählt, dass diese Muscheln eigentlich geschützt sind und nicht geerntet werden dürfen. Er war aber nicht sicher ob es nicht einzelne Tage gibt, an denen sie gesammelt werden dürfen. Der „Sheriff“ Da Silva hat auf alle Fälle nichts gesagt. Der Polizist sucht sich tagsüber Arbeit in Uniform, in seiner Freizeit baut er ein Haus aus. Aber ihm gefällt das Leben auf der Heimatinsel seiner Ehefrau ganz und gar nicht! Die Arbeit ist langweilig und die Leute der Umgebung kennt man bald mal besser als einem lieb ist. Immerhin hat das Cargoschiff, das die Insel jede zweite Woche mit Waren versorgt, letzten Samstag seinen neu erstanden Mercedes gebracht. Wenn das Cargoschiff kommt werden am nächsten Tag die Läden gestürmt (es gibt zwei) um Frischwaren zu kaufen die nicht auf der Insel wachsen. Aber, unter uns gesagt soooo frisch sind sie nach dem tagelangen Transport auch nicht mehr.

Und dann gibt es Joe, den älteren Gitarrenbauer der gerne mal ein Ständchen in der Bar gibt. Er hatte letzte Woche das Pech dass ihm eine schwarze Kuh über die Strasse lief, die er mit seinem Mercedes in's Jenseits beförderte. Der Besitzer der Kuh muss ihm nun eine neue Windschutzscheibe zahlen, was Joe leid tut. Aber der Kotflügel des Autos wurde schon bei einer anderen Begegnung weggerissen, der wird nicht ersetzt. Auch wenn Joe meint, dass dies wohl sein letztes Auto sei hoffen wir doch, dass er noch länger lebt um sich noch ein neues anschaffen zu müssen.

Es gibt noch einen zweiten Joe. Er hatte sich bei einem schweren Unfall Hirn- und Schädelverletzungen zugezogen und muss nun regelmässig zur Kontrolle nach Lissabon. Seine Ehefrau hat „schlechtes Blut“ und manchmal eptileptische Anfälle. Da er Postkarten sammelt wäre es schön, wenn ihm der eine oder andere Leser eine senden würde.

Seine Adresse lautet:

Jose Ramjro
Peaxoto de Souse
Rua Roberto Misquata N° 4
9960-444
Lajes des Flores
Azores/Portugal

Joe spricht neben Portugiesisch auch Englisch und Französisch.

Die meisten Leute, die wir getroffen haben, sprechen neben ihrer Muttersprache auch noch Französisch und/oder Englisch und halten gerne ein Schwätzchen mit uns Seglern. Und von denen gibt es natürlich auch einiges zu erzählen!

Tony war ein spezieller Fall: Er hat auf den Bermudas einen Engländer getroffen, mit dem er hierher kam. Leider hat er sich nicht um ein Visum gekümmert, dass er gebraucht hätte. Da er sich mit dem Schiffseigner nicht verstand, musste er das Boot auch verlassen. Er hat dann bei jedem Segler für Essen und Geld gebettelt. Schlussendlich hatte er genug Geld um sich ein Flugticket nach Horta zu kaufen, wo er auch prompt von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde. Nun hat er wenigstens Kost und Logis kostenlos.

Peter der Engländer ist geschlagen mit Pech: Sein Motor lief nicht mehr weil alles mit Partikeln aus schmutzigem Diesel aus der Karibik verstopft war. Dann hat er sich irgend einen Virus zugezogen und liegt nun im Spital. Arne, eine deutscher Einhandsegler, hat für Peter dann zusammen mit Ady den Motor wieder in Gang gebracht und auch die Batterien wieder geladen. Heute haben sie sein Boot näher an's Pier gebracht und als sie die Ankerkette aufzogen war kein Anker mehr dran! Peter hat in all seinem Unglück doch noch das Glück, dass er sein Boot nicht verloren hat!

Mit uns wartet auch der Grieche Giorgio mit seinem 18 jährigen Sohn Dimitri auf guten Wind. Sie leben in New York und segeln nun gemeinsam in ihre ursprüngliche Heimat.

Die „Juno“ kommt ebenfalls aus den USA. Sie beherbergt einen Vater mit seinen ca 7 und 9 Jahre alten Söhnen. Als Crew haben sie die erfahrene Carolyne und Ben. Ben ist aus North Carolina und segelte vor der Atlantik-Überquerung keine Meile auf dem Meer!

Arne kam auf seiner „Seven Seas“, die in Essen registriert ist, von Antigua. Er erkundigt nun die Inseln der Azoren und macht vielleicht auch einen Halt auf Madeira, wo sein Vater lebt. Danach geht es möglicherweise zurück nach Antigua wo er einen Job als Bootsschreiner in Aussicht hat. Er ist ein sehr umsichtiger Segler, dem keine Mühe zuviel ist: sei es, Peters Motor wieder in Gang zu bringen oder das verlorene Dinghi der Franzosen von den Klippen zu bergen. Er hat uns auch zwei Kürbisse aus Antigua geschenkt. So konnte ich mich wenigstens mit einem Kürbisbrot bedanken!

Nachdem wir nun zwei Tage Harten Wind und starken Schwell hatten ist es heute endlich ruhiger. Gestern war mir aus einer Mischung von Hang-Over und Seekrank wirklich auch nicht mehr wohl an Bord! Und wenn ich die Einrümpfer auf dem Wasser tanzen sah fühlte ich mich gleich noch schlechter!

Auch wenn es hier sehr schön ist hoffe ich doch, dass wir morgen nach Horta ablegen können. Ich brauche dringend eine warme Dusche! In der Marina hier gibt es nur Kaltwasser zum Duschen und das kommt vermutlich direkt vom Nordpol!

11. Juli

Wir liegen vor Anker im Hafen von Horta auf der Insel Faial/Azoren. Gestern Nachmittag kamen wir nach ca 24Std segeln von Flores hierher.

Am selben Tag wie wir haben 7 Schiffe Flores verlassen: Die Ossory mit Chris & Cathy wieder mal mit Ziel Isle of Withe, alle anderen mit Ziel Horta.

Als wir im Hafen einliefen, hörten wir über Funk, dass hinter uns Arne und Peter reinkommen. Die beiden Einhandsegler legten kurz vor uns in Flores ab und Peter schien es wieder besser zu gehen. Während der Nacht hatte er aber einen herben Rückschlag und war nicht mehr in der Lage, sein Schiff selber in den Hafen zu segeln. Arne von der „Seven Sea's“ hat über Funk Hilfe angefordert. Die „Ossory“ hat es wieder mal nicht nach UK geschafft und musste mit überhitztem Motor und defekter Elektronik ebenfalls Horta anlaufen. So konnte Chris mit dem zu Hilfe eilenden Rettunsboot raus und Peters Schiff in den Hafen lenken. Wo prompt der Motor seien Geist wieder aufgab. Peter ist nun wieder im Spital und wir hoffen, dass er bald wieder genesen auf sein Schiff zurückkehren kann.

Auch Giorgio und Dimitri, die beiden amerikanischen Griechen, mussten einen ungeplanten Stopp in Horta einlegen: der Laderegler ihres Elektromotores ist ausgestiegen.

Wir sind in der vergleichsweise glücklichen Lage dass wir unterwegs nur die Antenne zum VHF Funk verloren haben. Und noch besser ist, dass Chris noch eine hat, die er uns verkaufen kann! Sobald der Wind etwas nachlässt wird Ady also wieder mal in den Masttopp gewinscht. Zudem werden wir unsere Genua dem Segelmacher bringen damit er die Nähte nach näht.

Horta ist ein richtiges Städtchen mit Jahrhunderte alter Walfängervergangenheit. Heute leisten die Segler einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Wirtschaft. Der Hafen ist ein legendäres Ziel für Atlantiküberquerer und zur Zeit (Hochsaison) übervoll. Die Schiffe liegen teilweise in Dreierpäckchen am Pier. Wir sind in diesem Jahr das 999-ste Schiff das hier einklariert hat! Eine Legende besagt dass man hier ein Bild hinterlassen muss Glück bei der Weiterfahrt zu haben. Demzufolge sind die Mauern und der Boden um den Hafen voll mit teilweise beeindruckenden Kunstwerken. Ebenfalls legendär ist „Peter's Sport Café“. Wie es dazu kam dass diese kleine „Beiz“ zu einem „must-to-go“ für Segler wurde weiss ich nicht und wir waren bisher nicht dort. Unsere Freunde waren jedoch weder von der Bedienung noch von den Preisen sonderlich begeistert.

Am tiefsten beeindruckt hat mich bisher der Anblick des 2350m hohen Pico, der höchster Berg Portugals, auf der gleichnamigen Nachbarinsel. Die Spitze des Vulkankraters erscheint in der Ferne wirklich imposant!

Ich hoffe, in den nächste Tagen noch weitere schöne und interessante Dinge auf Faial zu entdecken!

25. Juli

Nach 15 Tagen in Horta auf Faial ist es Zeit, die Insel zu verlassen. Wir haben nicht viel von der Insel gesehen denn das Wetter war wechselhaft und eher kühl.

Wir hatten einige Feiern mit den Kollegen aus Flores wo jeder etwas zum Essen mitbrachte. Und da wir am meisten Platz haben, fanden diese Events halt bei uns auf der MARADY statt. Einmal hatten wir 12 Leute zum Abendessen! Natürlich haben wir nicht so viel Geschirr an Bord, das hat auch jeder selber mitgebracht. Nur beim Abwaschen waren dann nicht 12 Nasen in der Küche, da habe ich mir zum ersten mal einen Geschirrspühler gewünscht!

Ady hat viel Zeit damit zugebracht, Musik und Videofilme mit unseren Seglerfreunden auszutauschen, ich habe mich der Lektüre der ausgetauschten Bücher gewidmet.

Und natürlich hat Ady die neue VHF Antenne eingebaut (was wieder mal mit in den Mast winschen verbunden war). Aber kaum ist das geflickt steht die nächste Reparatur an: So um Mitternacht des 21. Juli kam ein Schweizer Einhandsegler in den Hafen, der von der Ueberfahrt etwas übermüdet war. Während er die Fender an seinem wunderschönen Schiff festbindet driftet dieses ab und knallt mit dem Bugspriet in unsere Backbordseite. Gott sei dank ist der Schaden nicht allzugross: etwas Kante abgesplittert und die Reling verbogen. Aber das Beste ist, dass ich tief und fest geschlafen und nichts davon mitgekriegt habe!

Dann fehlt natürlich noch der up date über unsere Reisebegleiter:

Chris & Cathy von der Ossory haben sich in der Zwischenzeit ohne funktionierenden Autopiloten auf die Weiterfahrt nach UK gemacht.

Peter wurde aus dem Spital entlassen, musste aber mit dem Flugzeug nach Hause reisen. Ihm wurde in Flores ein falsches Antibiotikum verabreicht dass dazu führte, dass Legionellen in seinem Darm aufplatzten. Nun muss er länger klinisch überwacht werden.

Zur Crew der Lotus, dass Schiff des Griechen Giorgio (der sich eigentlich Yorgos schreibt) hat sich noch der Bruder von Dimitri, Stavros, eingefunden. Dimitri hat ein wunderschönes Bild an die Hafenmauer gemalt: links die Silhouette von New York, rechts die von Athen (wir haben der Insel unsere künstlerischen Fähigkeiten vorenthalten). Mit auf der Reise nach Griechenland ist übrigens auch ein Graupapagei. Die sollen sehr intelligent sein und nicht nur nachplappern, was man ihnen vorsagt sondern sogar zählen können! Ady möchte nun auch so einen Papagei, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich zwei Vögel an Bord möchte

Für heute stand dann für den Rest der „Flores-Gang“ die Ueberfahrt nach S. Jorges, der Nachbarinsel an. Die Lotus legte bereits um 11.00 Uhr ab, da ihr Elektromotor noch immer nicht richtig läuft wurde sie rausgeschleppt. Mit Arne von der „Seven Seas“ und Antonio von der Razzle Dazzle war vereinbart, so um 13.00 auszulaufen. Was die beiden dann auch taten. Nur wir kriegten einfach unseren Anker nicht hoch! Nach einigen Versuchen sahen wir, dass sich eine knüppeldicke Ankerkette in unseren Anker verfangen hatte! Bei verfangenen Leinen hilft es manchmal, den Anker schnell ausrauschen zu lassen damit dieser schneller als die Leine sinkt und sich hoffentlich so löst. Aber bei einer Kette funktioniert das natürlich nicht! Also rüber zum Marinabüro. Die haben schon geschmunzelt als wir reinkamen und wussten sehr wohl, dass eine Jahrhunderte alte Kette von einem spanischen Schiff im Hafen liegt! Und von zeit zu zeit verfängt sich halt ein Anker drin und sorgt so für Unterhaltung. Naja, nach 2 Stunden kam dann ein Taucher und hat sie freigemacht. Meinte er. Denn als wir endlich den Anker heben wollten war sie immer noch fest im Griff der alten Kette! Also nochmals 2 Stunden warten bis der Taucher wieder kam. Und diesmal hat es geklappt! Nun rauschen wir mit ca 7kts unter Spinacker, von Delfinen begleitet, unserem Ziel entgegen und erfreuen uns am Anblick des Vulkanes Pico. In gut einer Stunde sollten wir in Velas ankommen und freuen uns schon darauf, unsere Storie zu erzählen und natürlich auch, wie die Ueberfahrt der anderen war (über Funk haben wir schon erfahren dass Antonios Autopilot ausgestiegen ist)

1. August

Nach Velas/S.Jorges sind wir nun vor Anker in Angra do Heroismo auf Terceira.

Die Tage in Velas waren recht ruhig. Dennoch musste die „Lotus“ der amerikanischen Griechen in der Nacht vor dem geplanten Ablegen den Anker heben weil er nicht hielt. Und da der Elektromotor noch immer nicht richtig funktioniert, hatten sie Kontakt mit der „Lancer 6“ von Phil. Gott sei Dank ohne Schaden für beide Seiten! Leider kam die „Lotus“ dann nur zurück nach Horta da das Ruder gebrochen ist. Die Drei fliegen nun nach Griechenland und lassen die „Lotus“ in Horta. Schliesslich müssen die Jungs ende August wieder in die Schule und der Papa möchte ihnen doch noch was von der Heimat zeigen. Giorgio wird dann im Januar zurückkehren, den Papagei immer im Handgepäck.

Von Velas aus unternahm ich mit Arne eine Wanderung. Seine Freundin hat ihm vor wenigen Wochen die Azoren-Ausgabe eines renommierten Wanderführers in Deutschland besorgt. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass der Preis noch in DM aufgedruckt war, das Buch also vor sicher 10 Jahren gedruckt wurde. Als wir dann per Autostopp am Ausgangspunkt ankamen, konnten wir auch prompt die angegebenen Wege nicht finden. Auf der Suche nach dem richtigen Pfad über Wiesen haben wir uns auch fast eine Ueberdosis an Kühen, Hortensien und Kaninchen zugezogen. Nachdem wir uns wieder des Daumens (Autostopp) bedienten, erreichten wir dann wenigstens den Leuchtturm. Aber oh Überraschung! Als Arne das Bild im Reiseführer sah dachte er, dass wohl baugleiche Leuchttürme an verschiedenen Orten der Azoren errichtet wurden. Aber bei der Abbildung im Reiseführer handelte es sich um eine Bildmontage: Der Leuchtturm von Faial und das Schilf von S.Jorges! Naja, selber Schuld: bei jeder Touristeninformation auf den Azoren erhält man Faltblätter mit Wandervorschlägen, und diese sind hervorragend mit gekennzeichneten Wegen. Ich habe gestern eine 2,5Std Wanderung nach so einem Führer um den Monte Brasil gemacht und es war wunderschön! Der Monte Brasil ist ein kleiner, erloschener Vulkan der westlich von Angra der Heroismo ins Meer ragt. Jeder Kilometer hat sein eigenes Gesicht: von brombeerbewachsenen Pfaden durch einen „Australian Cheeswoodbaum“-Wald zu einem riesigen öffentlichen Picknickplatz. Ich konnte sogar ein Reh in ca 50m Entfernung einige Minuten beobachten! Und auf den Erhebungen gibt es eine Hütte, von der aus früher Aussicht nach Wahlen gehalten wurde. Aus noch früherer Zeit stammt eine Art Kreuz, an dem runde Scheiben aufgezogen wurden. Je nach Menge und Stellung wurde so der Stadt in der Vor-Handy-Zeit mitgeteilt, welche Schiffe von woher sich Angra nähern. Angra do Heroismo ist übrigens Unesco Weltkulturguterbe (weitere Info's bei Wikipedia).

Vor unserem Ankerplatz gibt es einen grossen öffentlichen und einen kleinen Strand. Am kleinen haben wir dann auch mal unser Dinghi geparkt. Mit dem schönen Effekt, dass der Sand den Unterboden gereinigt hat. Aber als wir dann nach schönster Südseemanier ablegen wollten, streikte der Motor! Die Brandung hat das Böötchen immer wieder an den Strand gespült, und ich versuchte tapfer, es ins Meer zurückzuschieben während Ady dem Motor gut zuredete. Aber unser Bemühungen waren erfolglos. Glücklicherweise hatte Patrick von der „Globule“ unseren Kampf mitverfolgt und Ady und unser Beiboot mit seinem Dinghi abgeschleppt. Ich watschelte dann plitschnass bis zum Hals durch den halben Ort, mit zwei Laptoptaschen behangen, zur Marina wo mich Ady später abholte. Der Motor machte noch einige Sprünge, aber jetzt schnurrt er wieder wie ein Kätzchen.

Vorgestern unternahm der Rest der „Flores-Gang“ (wir trafen alle nach der Atlantiküberquerung in Flores ein, heute ist noch Phil, Antonio, Arne und wir zusammen. Zudem Jean der Franzose, der leider nur französisch spricht. Für mich bedeutet das Zusammensein mit ihm vor allem Uebersetzen) eine Inselrundfahrt mit dem Mietwagen. Dabei stießen wir auch auf eine Veranstaltung bei der der traditionelle Stierkampf geprobt wurde. „Gekämpft“ haben Teenager gegen ebenso jugendliche Stiere. In Tat und Wahrheit haben sich die beiden Parteien nie berührt, aber es scheint eine Art Vorausscheidung gewesen zu sein. Jedenfalls waren wir die einzigen Touristen vor Ort. Auf unserer Rundfahrt kamen wir auch durch einen Eukalyptuswald. Mit dem Ergebnis, dass wir nun zwei schöne Stämme an Bord haben, aus denen Ady ein Digeridoo bauen will. Ich hoffe nur, dass es das ohne Termiten (die in Australien die Stämme aushöhlen) hinkriegt!

Morgen geht die Reise dann weiter nach S. Miguel, der grössten Insel der Azoren. Bevor wir dann Kurs auf Madeira anlegen möchten wir auch noch S. Maria besuchen. Dann hätten wir von den 9 Inseln der Azoren nur 3 nicht besucht (Corvo, Graciosa und Pico).

 

 
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